Frankfurt-Westend

Wow und Wums oder Wolkenkratzer und Wut – im Frankfurter Westend, das sich in Nord und Süd gliedert, ziehen sich die Gegensätze an. Stahl, Beton, die höchste Wolkenkratzerdichte und zum Spazieren einladende Parks. Das Westend ist eines der beliebtesten Wohnviertel und eines der teuersten. Hier wohnten bekannte Gelehrte wie Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, die am Institut für Sozialforschung lehrten. Das Sigmund Freud-Institut wurde in den 1960er Jahren von Alexander Mitscherlich geleitet. Hier kämpften bekannte Studenten und der spätere Außenminister Joschka Fischer ab 1970 im Häuserkampf und besetzten die Wohnungen, die zum Abriss an Spekulanten gegeben wurden.

Rechnet man alle Skyscraper in Westend-Süd zusammen, kommt man auf 1.805m. Das Wahrzeichen Frankfurts ist der Messeturm. Mit 257m war er von 1991-97 das höchste Gebäude in Europa. Erwähnenswert und günstig für die Orientierung sind auch die Zwillingstürme (beide 155m) der Deutschen Bank, im Volksmund Soll und Haben genannt – derzeit hätten die Säulen womöglich unterschiedliche Höhen.

Der berühmte Struwwelpeter kommt ebenfalls aus dem Westend. Sein literarischer Vater ist der Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann (1809-1894), der die Anstalt für Irre und Epileptische im Grüneburgpark leitete und 1844 für seinen dreijährigen Sohn den Struwwelpeter schuf. Im Struwwelpeter-Museum in der Schubertstraße werden die Grauen um abgeschnittene Daumen und verbrennende Mädchen wieder lebendig. Mit Alois Alzheimer widmete sich Heinrich Hoffmann der Erforschung psychiatrischer Krankheiten.

Das so genannte Irrenschloss stand auf dem Gelände des Affensteiner Felsens nördlich im nahezu unbebautem Westend im Grüneburgpark. 1859 begann der Bau und 1928 wurde die Städtische und Universitätsklinik für Gemüts- und Nervenkranke abgerissen. An gleicher Stelle entstand dann der „schlägt einem das Auge aus“- Bau der IG-Farbenindustrie AG. Das IG-Farben-Haus wurde von Hans Poelzig errichtet. Fünf Blocks, miteinander in einem Bogen verbunden, neun Geschosse, Fensterbänder mit 2.000 Scheiben, ein Park drumherum, mit Brunnen zwischen dem Verwaltungsgebäude und dem Kasino. Diese Bauart wird dem Neoklassizismus zugeordnet, man mag daraus beeindruckt Lego-Klassizismus wortformen.

Südlich vom Grüneburgpark und dem IG-Farben-Haus steht eine von vier Frankfurter Synagogen und die einzige, die den Holocaust überstanden hat. Die Westendsynagoge ist ein beeindruckender Kuppelbau, mit ägyptisch-assyrischen Stilformen, gemischt mit Jugendstilelementen. Auch im Inneren erstrahlt die Synagoge in einem anmutigem Glanz.

Ein weiteres auffälliges Gebäude ist der Livingstonsche Pferdestall in der Ulmenstraße an der Ecke Kettenhofweg, in welchem übrigens Herr von Knigge verschuldet seine Benimmregeln aufschrieb und ein Wilhelm Busch lebte und arbeitete oder Gustave Courbet eine Malerschule gründete und auch Adorno sich wohnlich niederließ. Der prächtige Bau des Pferdestalls, mit Droschkenaufzug, Doppeltor-Arkade, Pferdebüste, Uhrentürmchen und Skulpturenschmuck wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Stile der barocken Feudalarchitektur des 18. Jahrhunderts errichtet. Die Kutschenremise gehörte dem Businessman Marks John Livingston, zu Deutsch Marx Löwenstein, der in Amerika im Zuge des Goldrauschs Multimillionär wurde.

Bleiben wir doch bei den Reichen: Rothschild. Nordwestlich der Alten Oper, nahe der Bockenheimer Landstraße, liegt der Rothschildpark, der nach der Frankfurter Bankiersfamilie benannt wurde, die dort im 19. Jahrhundert ein Palais mit Park entstehen ließ. Das Grundstück befand sich an der zuvor geschleiften Frankfurter Stadtbefestigung. Der Park mit altem Baumbestand lädt zum Spaziergang ein. Ein Ziertürmchen und Skulpturen lenken den Blick ab, von herumstehenden Hochhäusern, wie dem Park-Tower oder dem Opernturm.