Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim

An der deutsch-französischen Grenze, im Süden des Biosphärenreservats Bliesgau, liegt der Gersheimer Ortsteil Reinheim. Dort gleich an der Blies findet sich der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim (Parc Archéologique Européen de Bliesbruck-Reinheim).

1954 wurde hier der Grabhügel der Keltenfürstin von Reinheim freigelegt. Die Keltenfürstin wurde wohl etwa um 400 vor unserer Zeitrechnung bestattet. Bei den Ausgrabungen fanden sich über 200 kulturhistorisch bedeutsame Einzelstücke, die auf den Rang der Fürstin hindeuten. Im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim wurde das Fürstinnengrab rekonstruiert und 1999 für Besucher freigegeben.

Zu Beginn unserer Zeit entstand an der heutigen deutsch-französischen Grenze ein mehrere Hektar messender gallorömischer Vicus. Der Siedlungskern mit Handwerks- und Händlerviertel wurde ausgegraben. Dabei fanden sich Reste der Bäderanlagen. Im Park sind die Rekonstruktionen der Villa rustica und des Vicus zu sehen. Die gefundene Villenanlage mit Haupthaus und Hofareal umfasste einst fast 6.000qm. Auf der französischen Seite sind in einem Themenpavillon Rekonstruktionszeichnungen zu sehen und auf der deutschen Seite sind im Museum die Fundstücke der grenzüberschreitenden Grabung zu bestaunen. Der Ausflug in die Antike wird durch etliche Veranstaltungen und Workshops bereichert.

2015 wurde in der Mitte des Europäischen Kulturparks das neue Ausstellungsgebäude Gebäude an der Grenze eröffnet. Hier wird die Geschichte des Europäischen Kulturparks und der europäischen Idee thematisiert. Jährlich besuchen etwa 50.000 Besucher den Europäischen Kulturpark, der damit zu den wichtigsten Kultur- und Tourismuseinrichtungen in der Region zählt.

In Reinheim selbst steht die Pfarrkirche St. Markus unter Denkmalschutz. Ihr Turm wird auf das 12. Jahrhundert datiert. Der 16m hohe Rundturm an der Ostseite des Kirchenschiffs aus dem Jahr 1791 wurde um 1000 als Wehrturm aus Sandstein gebaut. Einst gehörte der dreigeschossige Turm mit Pechnase zum Wohnbereich der Ritter. Im 15. Jahrhundert wurde er als Kirchturm genutzt. Im Turm ist heute eine Taufkapelle. Aus dem 15. Jahrhundert stammt wahrscheinlich auch das gotische Kreuzgewölbe.

Vom Weinbau an der Blies zeugt das Weinberghäuschen außerhalb des Ortes über der Straße nach Habkirchen. Der Rundbau mit einem Kuppelgewölbe wurde um 1880 erbaut. Seit 2001 wird die Weinbautradition wiederbelebt. Phoenix und Trullo heißen die Weinsorten von der Blies. Trullo bezieht sich auf Italien („ein für Apulien typisches Haus“) und bezeichnet das Weinberghäuschen.

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