Bad Sobernheim

Bad Sobernheim ist das einzige Felke-Heilbad in Deutschland. Felke-Heilbad? Was ist denn das? Emanuel Felke (1856-1926) war Pastor und Naturheilkundler und entwickelte die sogenannte Felke-Kur. Anders als bei Kneipp, wo Wasser im Zentrum der Anwendungen steht, sind es bei Felke Lehm und Schlamm, die die Gesundheit mobilisieren. Felke praktizierte 1915-25 in Bad Sobernheim und entwickelte das kleine Landstädtchen zu einem florierenden Kurbetrieb. Noch heute sind zahlreiche Therapieeinrichtungen – die meisten allerdings am anderen Naheufer Richtung Rheinland-Pfälzisches Freilichtmuseum.

Das staatlich anerkannte Heilbad Bad Sobernheim dankte dem Lehmpastor, indem man am Bahnhof ein Denkmal für Emanuel Felke aufstellte. Startet man die Besichtigung von Bad Sobernheim hier am Bahnhof, kann man schön durch den Marumpark spazieren. Der Marumpark war einst der private Garten der Unternehmerfamilie Marum, die ihn später der Stadt überschrieben.

Vom Marumpark kommt man zum Marktplatz. Im Hintergrund erhebt sich stolz die tausendjährige Pfarrkirche St. Matthias. Den Vordergrund beherrscht aber das Rathaus von Bad Sobernheim, das 1861-63 im neugotischen Stil mit Glockenturm erbaut wurde und später zwei klassizistische Anbauten erhielt. Vor dem Rathaus steht ein Brunnen mit einer Skulptur, die einen Lebensbaum darstellt.

Verlässt man den Marktplatz über die Saarstraße und nimmt gleich die nächste rechts, kommt man zum Priorhof. Der Priorhof wurde 1572 als Renaissancebau mit einem Treppenturm errichtet. Der Torbogen stammt wohl aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Der Priorhof gehörte einst zum Kloster Marienpforte und beherbergt heute das Heimatmuseum.

Am Ende der Priorhofstraße trifft man auf den Alten Weg und hält sich links zur katholischen Pfarrkirche St. Matthäus. Die Matthäuskirche ist mit dem 59m hohen Glockenturm die höchste Kirche in Bad Sobernheim. Errichtet wurde sie 1898 als dreischiffige Hallenkirche im neugotischen Stil.

Hält man sich an der Kirche wieder links, trifft man gleich auf die Malteserkapelle nebst Komturei. Die Malteserkapelle wurde 1426-65 gebaut. Im Langhaus sind noch mittelalterliche Malereien zu sehen. Die Malteserkapelle dient heute als Haus der Begegnung der Kirchengemeinde St. Matthäus. Zwischenzeitlich wurde die Malteserkapelle auch als Ökonomiegebäude und als Schulkapelle genutzt. Die Komturei aus dem Jahr 1750 ist ein spätbarocker Walmdachbau und beherbergt heute Teile des Amtsgerichts.

Direkt benachbart in der Gymnasialstraße steht die frühere Synagoge, die heute ein Kulturhaus und eine öffentliche Bücherei ist. Östlich am Haus ist der Davidstern zu sehen. Der spätklassizistische Walmdachbau aus Sandsteinquader wurde 1859 errichtet. In einem Keller eines Privathauses in der den historischen Kern nördlich umlaufenden Großstraße findet sich auch noch eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad.

Am Ende der Gymnasialstraße trifft man auf die Wilhelmstraße, geht links zur Großstraße, hält sich hier rechts und nimmt die nächste wieder rechts. Jetzt sind wir in der Marumstraße. Hier passiert man die alte Strumpffabrik Marum, einst mit 800 Beschäftigten der größte Arbeitgeber vor Ort. Der markante Übergang zwischen den Gebäuden konnte glücklicherweise bis jetzt erhalten werden.

Wechselt man hinter dem Übergang rechts in die Kreuzstraße, kommt man zur Philippskirche mit dem Kaisersaal. 1737 wurde sie von den lutherischen Gemeinden aus Bruchsteinen errichtet. 1900 kaufte Andres Dhonau, ein Kompagnon von Felke, das Gebäude und machte dort ein Lokal mit Kegelbahn auf. 1905 wurde der Kaisersaal angebaut – allerdings mit Tanzverbot, weil drunter vermutlich noch das ein oder andere Knöchelchen bestattet lag, da hier ein Friedhof war.

Quert man nun das Städtchen in Richtung Nahe und biegt von der Großstraße in die Kapellenstraße, gelangt man zum historischen Schätzchen der Disibodenberger Kapelle aus dem Jahr 1401. Die Kapelle war ein Geschenk des Klosters Disibodenberg an die Stadt. Der Bau der Spätgotik wurde 1566 zu einem Speicherhaus umgebaut Rund 111 Jahre hat die Disibodenberger Kapelle hinter Mauern einer Druckerei geschlummert. Nun ist sie wieder zu sehen und man bemüht sich redlich um ihren Erhalt. Ein Förderverein arbeitet daran, sie zu einem Brauhaus mit Kulturangebot und damit wieder zu einem Erlebnisraum zu machen.