Eine wunderbare Entdeckerroute ist die durch die Festungsstadt Naarden und den Norden von Bussum. Beide grenzen an das Goois Natuurreservaat. Naarden in der Gemeinde Gooise Meren in Noord-Holland ist eine der bestens erhaltenen Festungsanlagen in Europa. Sie liegt am Gooimeer nahe dem Naardermeer und war strategisch wichtig in der Neuen Holländischen Wasserlinie, die UNESCO-Welterbe ist. Der Wallenring ist begehbar und bietet prima Aussichten, Kanonen und Gräben.
Start in die Geschichte ist in Bussum beim Bahnhof. Wir wandern mit dem Uhrzeiger. Bussum liegt nördlich von Hilversum am Rand des Gooi, einer waldreichen Region, und wurde 1306 erstmals erwähnt. Heute ist Bussum ein Pendlerort mit Bahnhöfen an der Strecke Amsterdam–Amersfoort. Vom Bahnhof wandern wir nach Norden durch Wohngebiete und wäre da nicht die sternförmige Wassergraben- und Wallanlage von Naarden, wären die Orte vielleicht schon miteinander verschmolzen.
Bereits nach 1,5km passieren wir die Festung Naarden über die Prinses-Beatrix-Brug. Naarden wurde im 14. Jahrhundert als sternförmige Festung mit doppelter Stadtmauer, Bastionen, Ravelins, Türmen und Toren erbaut. Zuvor war der Ort rund 3km nördlich. Wir wandern ein Stück zwischen den beiden Stadtmauern und sind jetzt schon sehr beeindruckt. Gleich zu Beginn ist rechts das Nederlands Vestingmuseum in der Bastion Turfpoort. Naarden betrieb Fischerei und es gab ein funktionierendes Textilgewerbe im 15./16. Jahrhundert. Im 80-jährigen Krieg, in dem um die Unabhängigkeit von Spanien gerungen wurde, eroberten die Spanier 1572 Naarden. Der Akt ging als „Bloedbad van Naarden“ in die Geschichte ein. Obwohl sich die Bürger ergeben hatten, wurden sie durch spanische Truppen erstochen oder lebendig verbrannt – rund 700 an der Zahl. 1673 eroberte Wilhelm III. von Oranien-Nassau Naarden zurück. Zwischen 1675 und 1685 wurde Naarden zur Festungsstadt gerüstet.
Wir biegen von den Festungsmauern nach rechts in die Amsterdamsestraat und nähern uns dem Ortskern. Der ist rund um die gotische Kirche St. Vitus (1380-1479) angelegt. Bei der Kirche ist auch eine Statue im Gedenken an Jan Amos Comenius. Der mährische Philosoph, Pädagoge und Theologe war der Begründer der Didaktik (Kunst des Lehrens und Lernens) und Mathetik (Wissenschaft vom Lernen aus Sicht des Lernenden), die sich wechselseitig ergänzen. Comenius starb 1670 im Alter von 78 Jahren in Amsterdam und wurde in Naarden beigesetzt. Jährlich besuchen Tausende, besonders auch viele Tschechen, das Mausoleum und Comenius-Museum in der Kloosterstraat.
Die Wanderung umrundet den Ortskern und wir kommen durch das Utrechtse Poort auf eine Bastion mit Wachhaus. Im Anschluss passieren wir die doppelte Stadtmauer und wandern nach Bussum zurück, streifen Sportplätze, Schulen, Wassergräben und Grünanlagen sowie einen jüdischen Friedhof und Wohngebiete für Familien, auch mit Platz für Gärten. Je mehr man in die Mitte und zum Bahnhof kommt, desto „reihenhäusiger“ wird’s.
Bildnachweis: Von Nederlands Vestingmuseum [CC BY-SA 4.0] via Wikimedia Commons
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