Leder oder Synthetik – was ist bei Wanderschuhen besser?

Wandern gehört in Deutschland zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Ob nach dem Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub, viele Menschen nutzen ihre freie Zeit, um auf Schusters Rappen wunderschöne Naturlandschaften zu entdecken.

Wer eine Laufgeschwindigkeit von mindestens fünf bis sechs Kilometern pro Stunde erreicht, zählt laut Sportmedizinern zu den Wanderern. Menschen, die es gemütlicher angehen lassen, fallen unter die Spaziergänger. Doch ganz gleich, welches Tempo man vorlegt, die Schuhe sind ein wichtiger Teil der Ausrüstung.

Wichtige Eigenschaften von Wanderschuhen

Mit dem Schuhwerk steht und fällt der Spaß an einer Wanderung. Blasen und Druckstellen an den Füßen können äußerst schmerzhaft sein. Sind sie erst einmal da, muss in der Regel der Ausflug zu Fuß abgebrochen werden. Bei der Auswahl von neuen Wanderschuhen sollte man unter anderem Folgendes beachten:

  • Größe – Bestenfalls wählen Wanderer die Schuhe eine Nummer größer als sonst im Alltag verwendet aus, denn das Volumen der Füße kann unterwegs variieren. Bei starker Belastung ist es möglich, dass sie mehr Spielraum benötigen. Bei der Anprobe sollte man die Art Strümpfe tragen, die auch in der Zukunft getragen werden sollen.
  • Modell – Besonders bei Touren in unebenem Gelände sollten Wanderschuhe, die über den Knöchel gehen, ausgewählt werden. Sie bieten dem gesamten Bewegungsapparat mehr Stabilität und schützen vor einem Umknicken.
  • Profil – Die Entscheidung für das Profil ist gleichfalls von der Bodenbeschaffenheit abhängig. Ändert sich diese mit jeder Tour, kann eine mittlere Stärke die Lösung sein.
  • Eigenschaften – Empfehlenswert ist wasser- und winddichtes Schuhwerk, wobei es trotzdem atmungsaktiv sein sollte.

Worin unterscheiden sich Leder und Synthetik?

Die Ausrüstung für Wanderer ist umfangreich: Neben den Schuhen spielen beispielsweise eine gute Bekleidung und ein praktischer Rucksack eine Rolle. In der Herstellung werden verschiedene Materialien genutzt, Leder und Synthetik wie Nylon, Gore-Tex-Membrane oder Mischvarianten sind bei Wanderschuhen weit verbreitet.

Leder ist ein natürliches Produkt aus Tierhaut, die durch Gerbung haltbar gemacht wird. Synthetik besteht aus Kunst- und Chemiefasern, sie wird in chemischen Prozessen hergestellt. Oft liegen hochwertige Lederschuhe in einer höheren Preisklasse als die synthetische Variante. Generell gilt Leder als außergewöhnlich widerstandsfähig und haltbar. Es kommt jedoch stark auf die Qualität an, genauso wie bei Synthetikschuhen.

Vorteile Leder-Wanderschuhe

Die hohe Atmungsaktivität sorgt bei Wanderschuhen aus Leder für ein sehr gutes Fußklima. Durch eine Behandlung mit Imprägniermitteln sind sie außerdem wasserdicht. Lederschuhwerk lässt sich in vielen Fällen reparieren und ist besohlbar, sodass von einer langen Lebensdauer ausgegangen werden kann. Praktisch jeder Schuster kann etwaige Ausbesserungen vornehmen. Darüber hinaus eignen sie sich auch für warme Sommertemperaturen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in der Regel hervorragend.

Nachteile Leder-Wanderschuhe

  • Wanderschuhe aus Leder benötigen eine lange Trockenzeit. Wer im Winter in feucht-kalter Umgebung unterwegs ist, klagt schnell über kalte Füße.
  • Im Gegensatz zu der synthetischen Alternative müssen sie eingelaufen werden.
  • Ohne Imprägnierung sind Lederschuhe nicht wasserdicht. Ist diese aufgebracht, sind sie kaum oder gar nicht mehr atmungsaktiv.
  • Leder saugt Wasser stark auf.

Vorteile Wanderschuhe mit Membran

Fällt die Entscheidung gegen Leder aus, wählen viele Wanderer Schuhwerk mit Membran. Vorteilhaft ist, dass sie wasserdicht sind, auch ohne entsprechende Behandlung. Ebenso wie Lederprodukte sind sie atmungsaktiv, was gleichbedeutend mit einem guten Fußklima ist. Für Menschen, die viel bei Feuchtigkeit und Regen unterwegs sind, gelten Membran-Produkte als die ideale Lösung.

Nachteile Wanderschuhe mit Membran

  • Die Lebensdauer ist kürzer als bei Lederschuhen.
  • Ist die Membran beschädigt, sind die Wanderschuhe extrem undicht.
  • Die Funktionsweise der Membran ist bei warmem bis heißem Wetter eingeschränkt bzw. außer Kraft.
  • Membran-Wanderschuhe sind nur bedingt reparabel.
  • Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist im Vergleich zu Wanderschuhen aus Leder weniger gut.

Kritik an Membran-Schuhen

Die Meinungen leidenschaftlicher Wanderer gehen stark auseinander, wenn die Frage aufgeworfen wird, welches Material das bessere ist. Die Gegner der Membran-Schuhe weisen insbesondere auf deren relativ geringe Haltbarkeit hin. Weiterhin führen sie an, dass, wenn die Schuhe unterwegs beschädigt und somit undicht werden, ungebremst Wasser eindringt.

Da sich nicht vorausberechnen lässt, wie lange die Lebensdauer der Membran ist, besteht das Risiko, irgendwann mit nassen Füßen unterwegs zu sein. Es gibt unterschiedliche Erfahrungswerte in Bezug auf die Haltbarkeit – aktive Wanderer sollten sich auf einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren einstellen. Ist die Membran kaputt, kann das Schuhwerk weiter bei trockenem Wetter genutzt werden. Eine Möglichkeit für erneute Wasserfestigkeit ist, die Außenschicht mit Wachs wieder zu versiegeln, jedoch geht dabei die Atmungsaktivität verloren.

Kritik an Lederschuhen

Gegner von Lederwanderschuhen führen an, dass diese erst wasserdicht sind, wenn sie entsprechend behandelt werden. Imprägnierwachs ist eine gute Alternative, allerdings entsteht dasselbe Problem wie zuvor beschrieben: sie sind nicht mehr atmungsaktiv. Deshalb kann es sinnvoller sein, ein Imprägnierspray zu nutzen, mit dem eine wasserabweisende Wirkung erreicht werden kann. Experten raten dazu, vor jeder Wanderung und ggfs. auch unterwegs die Schuhe einzusprühen. 

Kritisch gesehen wird auch die lange Trockenzeit von Lederschuhen. Wissen sollte man, dass eine Beschleunigung durch Wärme, also beispielsweise, wenn die Schuhe an die Heizung oder in den Ofen gestellt werden, die Belastungsgrenze von Leder überschreiten kann. Es wird schnell spröde, Risse und Brüche im Material sind die Folge. Um ein rascheres Trocknen zu erreichen, stopft man die Wanderschuhe am besten mit Zeitungspapier aus. Bei Zimmertemperatur aufbewahrt, ist die Feuchtigkeit meist nach einer Nacht beseitigt.

Bildnachweis: Von Ronaldo de Oliveira [Lizenz] via unsplash.com

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