Die Hafenstadt Syrakus (Siracusa) an Siziliens Ostküste ist so reich an Sehenswürdigkeiten, dass man vermutlich ein Bücherregal mit den Beschreibungen füllen könnte. Man sollte sich Zeit mitbringen, nicht für das Regal, sondern für das Einatmen der sizilianischen Lebensart zwischen Meer und Vulkan. Leichtigkeit und Leidenschaft werden den Menschen attestiert, in der Heimatstadt des bedeutenden Mathematikers der Antike: Archimedes.
Im Zeitraffer: Auf Sizilien waren in der Antike die Phönizier, Griechen und Karthager, es folgte noch vor Christus die griechische Kolonisation und dann kam Rom, bis es niederging. Vandalen, Ostgoten, Byzanz, Araber, Sarazenen, Normannen, Staufer, Franzosen, Aragonesen, Spanier, Habsburger, Bourbonen, Königreich und seit 1946 ist Sizilien eine autonome Region innerhalb der Republik Italien. Alle haben sie ihre Spuren hinterlassen.
Das Teatro Greco ist unser Ausgangsort. Nicht nur das Teatro ist eine faszinierende Kulisse, auch das Drumherum mit Grotten, Archäologie-Park, Archimedes-Museum, Römischem Amphitheater – hier zeigt sich ein Teil des Schmelztiegels der Vergangenheit.
Wir kommen an der Chiesa di San Nicolò dei Cordari vorbei und schlängeln uns zur Basilika Santuario della Madonna delle Lacrime. Die Basilika ist unerwartet. Die größte Wallfahrtskirche auf Sizilien entstand aufgrund eines Wunders von einem tränenden Gipsbild der heiligen Madonna im Haus eines Bauern. Das augenfällige Sakralgebäude mit Platz für 11.000 Besucher hat eine Höhe von 74,5m. Der Bau begann 1966 und 30 Jahre später war er fertig und wurde geweiht. Wie das in so einer alten Stadt ist, kann man nicht graben, ohne auf Historie zu stoßen. In diesem Fall waren es die Reste eines Demeterheiligtums und eines Wohngebiets aus dem 6. Jahrhundert.
Jetzt genießen wir einen Blick ins Rund von der Piazza della Vittoria, wandern durch die Giardini Principessa Mafalda di Savoia und durch die Gassen zu den Häfen zur vorgelagerten Altstadinsel Ortygia. Die wird auch schon mal das barocke Wohnzimmer beschrieben, wo sich getroffen und flaniert wird, man das Schlendern genießt und auf das Meer schaut.
Brunnen, Kirchen, Kapellen, Piazzi, Museen, Meer, die Kathedrale von Syrakus (7. Jh.) mit prächtiger Barockfassade, Gärten, Castello Maniace, Apollontempel – die Liste der Sehenswürdigkeiten ist sehr lang und länger, wenn man auch noch die zahlreichen Bars, Cafés und Ristorantes aufzählen würde. Genuss ist allgegenwärtig.
Wenn wir über die Ponte Umbertino die Insel verlassen, grüßt auch noch Archimedes. Wir kommen erneut durch den Parco del Foro Siracusano, dann zur Piazza della Repubblica, am Parco Giachi Corrado Cartia vorbei und links der Via Basento, hinter dem langen Zaun, waren einst spanische Mühlen, von denen nichts erhalten ist. Das Teatro ist nicht mehr weit – und ein Hotel sind es auch nicht. Es lohnt sich, weitere Zeit in Siracusa zu verbringen.
Bildnachweis: Von Derbrauni [CC BY 4.0] via Wikimedia Commons