Eine Japanreise im Januar oder Februar führt durch zwei Klimazonen. In Sapporo türmt sich der Schnee an den Straßenrändern und die Gehwege sind vereist. Tokio erlebt zur selben Zeit trockene, helle Tage, an denen man mittags den Schal ablegt und abends wieder fröstelt. Dazu kommt ein Alltag zwischen Frost und kräftig geheizten Räumen, oft mit den Schuhen in der Hand. Die Kleidung soll also bei Minusgraden zuverlässig wärmen und sich zugleich in Sekunden ablegen lassen. Welche Teile das schaffen und warum die Winterjacke dabei den Ausschlag gibt, zeigt der Vergleich der beiden Regionen.
Im Winter strömt kalte Luft aus Sibirien über das Japanische Meer. Sie nimmt dort Feuchtigkeit auf und lädt sie als Schnee an der Westseite der Hauptinsel und auf Hokkaido ab. Die Pazifikseite mit Tokio liegt im Windschatten der Gebirge und bekommt klare, trockene Luft.
Tiefschnee und Wintersonne im selben Monat stellen die Garderobe deshalb vor zwei Aufgaben. In Sapporo pendelt das Thermometer im Januar tagsüber um den Gefrierpunkt und fällt nachts auf etwa minus sechs Grad. In Tokio werden an sonnigen Nachmittagen oft rund zehn Grad erreicht.
Japanische Bahnen, Kaufhäuser und Hotels sind im Winter gut geheizt. Wer in Sapporo aus dem Schneetreiben in die U-Bahn steigt, schwitzt nach wenigen Minuten. Viele Wege in der Innenstadt führen zudem durch die Chikaho, einen rund 520 Meter langen unterirdischen Fußweg zwischen Bahnhof und Odori-Park. Bewährt haben sich deshalb drei Schichten aus Funktionsshirt in Merino oder Kunstfaser, dünnem Fleece und einer Jacke mit durchgehendem Reißverschluss.
Wanderer kennen diese Schichtung als Zwiebelprinzip vom Outdoor-Sport im Winter. Die Luft zwischen den Lagen isoliert, und jede Schicht lässt sich rasch ablegen. Baumwolle scheidet aus, denn sie speichert in der warmen Bahn Schweiß und wird draußen klamm.
In Tokio reichen tagsüber meist Shirt und Fleece. Abends kommen Mütze, Handschuhe und die geschlossene Jacke dazu, denn nachts sinkt die Temperatur auf wenige Grad über null.
Das Schneefestival in Sapporo läuft 2027 vom 4. bis 11. Februar, unter anderem im Odori-Park und im Ausgehviertel Susukino. Zwischen den Skulpturen steht man oft lange still, abends bei deutlichem Frost. Im Landesinneren um Asahikawa und Furano sind zweistellige Minusgrade in Januar- und Februarnächten die Regel. An der Küste des Ochotskischen Meeres bei Abashiri zeigt sich im langjährigen Mittel ab Ende Januar Treibeis vor dem Ufer, in manchen Jahren erst im Februar. Auf dem Deck der Ausflugsschiffe pfeift der Wind ungebremst, weshalb eine winddichte Außenschicht und lange Unterwäsche dort Pflicht sind.
Im Japans Norden kommt es bei der Kleidung vor allem auf eine gute Kombination aus Wärme und Wetterschutz an. Anders als bei einer anstrengenden Bergtour, bei der eine dicke Jacke schnell zu warm werden kann, wechseln sich auf einer Winterreise durch Japan meist gemütliche Spaziergänge, Wartezeiten an Bahnsteigen und längere Aufenthalte im Freien ab. Gerade bei eisigen Temperaturen ist deshalb eine gut gefütterte Winterjacke mit wind- und wasserabweisendem Außenmaterial eine sinnvolle Wahl. Besonders praktisch sind hüftlange oder längere Modelle mit einer verstellbaren Kapuze, die zusätzlich vor kaltem Wind schützt. Bei der Auswahl lohnt es sich, auf die Art der Fütterung, den Wetterschutz und eine bequeme Passform zu achten, damit die Jacke sowohl bei Stadtbesichtigungen als auch bei Ausflügen in verschneite Landschaften angenehm warm hält.
Daune wärmt bei geringem Gewicht am stärksten, verliert aber an Bauschkraft, wenn sie durchfeuchtet. Kunstfaser wiegt etwas mehr und behält auch feucht einen größeren Teil ihrer Wärme. Im Dezember fällt in Sapporo oft wasserhaltiger Schnee, der im geheizten Kaufhaus auf der Jacke schmilzt. Im kälteren Januar und Februar ist er meist trockener. Für diese Monate passt eine Daunenjacke, deren wasserabweisendes Obermaterial gegen Schnee ausreicht. Wer im Dezember reist oder die Jacke auch an Regentagen in Tokio trägt, wählt besser Kunstfaser unter wasserdichtem Stoff.
Festgetretener Schnee wird auf den Gehwegen schnell zu Eis, und unter Neuschnee bleibt es unsichtbar. Gefragt sind wasserdichte, knöchelhohe Schuhe mit tief profilierter Gummisohle, die auch bei Frost weich und griffig bleibt. Schuhgeschäfte, Drogerien und Convenience Stores verkaufen zudem Gleitschutz zum Überziehen. An belebten Kreuzungen der Innenstadt stehen Kästen mit Streusand, den jeder auf dem Weg verteilen darf. Beim Gehen hilft der sogenannte Pinguin-Gang mit kleinen Schritten, bei denen die ganze Sohle aufsetzt.
In Ryokan, vielen Tempeln, Restaurants mit Tatami und Privatwohnungen zieht man am Eingang die Schuhe aus. Stiefel mit Reißverschluss oder Schnellschnürung sparen dabei Zeit. Die Socken sind danach zu sehen und sollten keine Löcher haben. Im Onsen badet man nackt und wäscht sich vorher gründlich. Nach dem Bad tragen Gäste den im Zimmer bereitgelegten Yukata, den viele Ryokan im Winter um einen wattierten Überwurf ergänzen. Für lange Abende im Freien gibt es Wärmepads im Convenience Store, auch zum Einlegen in die Schuhe.
Eine minimalistische Packliste kommt mit wenigen Kleidungsstücken aus, die in Schwarz, Grau, Blau oder anderen neutralen Tönen zueinander passen. Packwürfel begrenzen zusätzlich die Menge und halten Ordnung im Gepäck. Für Hokkaido und Tokio zusammen genügt diese Auswahl:
Neue Schuhe und Jacken sollten vor der Reise einige Stunden Kälte erlebt haben. Ein Wintertag im Mittelgebirge deckt Druckstellen auf und zeigt, ob die Kapuze über die Mütze passt. Wer im Westen Deutschlands lebt, kann die Ausrüstung bei einer der Winterwanderungen in Nordrhein-Westfalen testen, die auch bei Schneefall oder Frost lohnen, etwa am Kahlen Asten oder in der Eifel.
Für Hokkaido ist eine gefütterte Winterjacke mit Kapuze das wichtigste Stück. Im Januar und Februar passt Daune unter wasserabweisendem Stoff, während im feuchteren Dezember Kunstfaser die robustere Wahl ist. Ebenso viel Gewicht haben Schuhe mit weicher, profilierter Sohle, die sich schnell an- und ausziehen lassen. In Tokio und in geheizten Räumen reicht ein dünnes Lagensystem. So bleibt das Gepäck überschaubar, und der Weg vom Schneefestival ins Onsen gelingt ohne Frieren.