Dieser Pilgerweg verläuft von Norden nach Süden durch das Hügelland der Toskana und verbindet den Passo della Cisa und die Kirche Santuario della Madonna della Guardia mit der Cattedrale del Santo Sepolcro in Acquapendente. Im weiteren Sinne ist es der toskanische Abschnitt des Pilgerwegs von Canterbury nach Rom, auch Frankenweg (rund 2.000km und durch 4 Länder) genannt.
Pilger, Händler und Soldaten nutzen diese Route bereits seit dem frühen Mittelalter. Erstmals dokumentiert wurde der Frankenweg (Via Francigena) von Erzbischof Sigerich von Canterbury im Jahr 990. Eine gute Jahreszeit für diese anspruchsvolle Reise ist der Sommer, wenngleich es im Juli und August heiß werden kann und es in diesem Fall ratsam ist, schon früh am Morgen den Wandertag zu beginnen.
Auf dieser Pilgerreise wird das Füllhorn der Toskana ausgeschüttet: hügelige Wälder, Oliven- und Kastanienhaine, bäuerliche Landschaften, Wein, Blicke über die Küste und natürlich jede Menge Geologie und Geschichte. Auch die Kulinarik kommt nicht zu kurz. Über die Länge der Etappen entscheiden die Zeit, das Tempo, die Konstitution und die Interessen. Deswegen sei an dieser Stelle lediglich ein Ausschnitt der Städte und besonderen Landschaften genannt, die zum Innehalten einladen.
Der Passo della Cisa liegt an der A15 auf rund 1.041m. Durch die bezaubernde Natur mit Wald und Kulturnatur geht’s gen Süden nach Pontremoli, wo der Fluss Verde in den Fluss Magra fließt und es einige kulturelle Highlights gibt, wie das Castello del Piagnaro oder die Santa Maria del Popolo. In einer Flussbiegung erfreut die Chiesa della Santissima Annunziata.
Der Lauf der 70km langen Magra führt nach Aula und entlang der Höhe des Monte Grosso nach Santo Stefano di Magra und Sarzana. Zwei Festungen prägen diesen Ort mit seiner Altstadt und dem Kirchenensemble in der Mitte. Auf dem folgenden Wegabschnitt wird durch einige Orte gepilgert und man nähert sich der bekannten Versilia-Küste und Avena sowie Massa an der Apuanischen Riviera. Massa lädt auf jeden Fall zur Erkundung ein, mit Dom und Burgen. Von dort geht’s nach Pietrasanta, einem weiteren Kleinod und einem Ort, wo der besondere Carrara-Marmor zu Skulpturen verarbeitet wird. Camaiore ist ebenfalls zauberhaft mit Abtei und Museen. Der Strand am Ligurischen Meer ist nur rund 9km entfernt.
Lucca ist ein absolutes Highlight, mit der vollständigen Festungsmauer rundum, auf der Kutschen fahren konnten. Die bis zu 30m breite und 12m hohe Mauer lädt allerorten zum Verweilen und Umschauen ein. Rund 145km waren es bis hierher. Etwas bebauter geht’s weiter über Altopasto und durch das Naturschutzgebiet Riserva delle Cerbaie e del Padule di Fucecchio und nach Fucecchio. Alsbald kommt die Route über den Arno und nach San Miniato in der Provinz Pisa. Das ist eine besondere historische und architektonische Perle mit den teilrestaurierten Resten der Burg des Kaisers Friedrich II., Kloster, Palazzi, Renaissance – hier ist alles auf einem Flecken und Bergfest!
Durch Landwirtschaft mit Oliven und Feldern verläuft der Pilgerweg nach Süden weiter durch kleine Dörfer sowie nach Gambassi Terme im Beritt der Metropolitanstadt Florenz. Gambassi Terme ist bekannt für die Therme und seine Glasproduktion. Nächste Geschichtsstunde: UNESCO-Weltkulturerbe im Val d’Elsa in San Gimignano. Das wird auch schon mal als das „mittelalterliche Manhattan“ der Toskana beworben. Es zeigt historische Türme: von einst 72 sind 13 übrig. Fantastico!
Weiter geht die Wanderung nach Colle di Val d’Elsa am Bach Elsa. Etliche historische Sehenswürdigkeiten recken sich von weitem ins Panorama. Auch hier ist Glaskunst vertreten sowie weiteres Kunsthandwerk. Die mittelalterliche Oberstadt kann per gläsernem Fahrstuhl erreicht werden. Das Flusstal der Elsa ist unter Naturschutz.
Wald, Felder, Anbaugebiete, Bäuerliches und dann nochmal eine Festung: Monteriggioni. Solche Ansichten kann man sich nicht ausdenken. Monteriggioni fand Eingang in Filme und Videospiele. Es folgt die auf drei Hügeln erbaute Stadt Siena mit unzähligen Denkmälern und Museen und im historischen Kleid des 14. Jahrhunderts. Sie ist auch UNESCO-Weltkulturerbe.
Auf den verbliebenen rund 100km Pilgerreise liegen die etwas größeren Orte wie Buonconvento, Torrenieri und San Quirico d’Orcia, das bereits von Etruskern bewohnt war. Es bleibt „toskanisch“ und historisch in Radicofani mit Festungsruine und Museum. Hier hatten wir kurz vor Pilgerende nochmal eine Anhöhe. Der Track endet in Acquapendente in der Provinz Viterbo und der Region Latium und bei der Cattedrale del Santo Sepolcro, die auf das 12. Jahrhundert datiert wird.
Bildnachweis: Von Wolfgang Moroder [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons