Bei dieser Rundwanderung werden historische Hohlwege erkundet, die Vie Cave in der Toskana. Diese tiefen Gräben diverser Längen und Breiten sind teils in senkrechte Schluchten und Tuffstein gegraben worden und weisen Spurrillen von Karren und Rinnen auf. Sie werden in die Zeit der Etrusker datiert. Nicht letztlich geklärt ist ihr Hauptzweck: Waren sie lediglich Verbindungswege oder gab es weitere Verwendungen? Fest steht: Es ist ein einmaliges Erlebnis, sie zu beschreiten.
Pitigliano in der Provinz Grosseto liegt zwischen eingeschnittenen Tälern und hat einen mittelalterlichen Stadtkern, dem wir uns am Ende der Rundwanderung widmen. Pitigliano wird auch Tuffsteinstadt und „kleines Jerusalem der Toskana“ genannt. Das liegt am besonderen Flair des einst jüdischen Viertels und seinem Antlitz.
Start ist für uns der Parkplatz an der engen Kurve der Strada Regionale 74, nahe der Chiesa della Madonna delle Grazie. Von hier hat man einen fabelhaften Blick auf Pitigliano, wo sich die Häuser aus dem Felsen erheben. Wir wandern im Uhrzeigersinn, erst an der Kirche vorbei, entlang der SR74 und vor dem Kreisverkehr nach rechts von ihr abbiegend durch die Kulturnatur mit Landwirtschaft, Wein und Oliven. Nochmal nach rechts einbiegend folgen wir dem Sträßchen zwischen Pitigliano und Manciano. Beim Wanderschild geht’s eng um die Kurve in den schattigen Schluchtenweg und durch üppiges Grün. Sobald es wieder lichter wird, wird auch ein Bächlein passiert, der Torrente Meleto. Wie trocken die Füße bleiben, hängt vom Geschick und dem Wasserstand ab.
Bei der Via Cava di Fratenuti tippen wir die Straße an und halten uns links. Nahe einer Wanderrast geht’s wieder nach links, San Giuseppe ist auch beschildert. Jetzt wandern wir noch tiefer in diese Felsenschlucht, leicht ansteigend, der Tuffstein türmt sich links und rechts auf, und wir erreichen die Necropoli di San Giuseppe. Das etruskische Grab im Tuffgestein war ausgestattet, und was nicht vorher schon geraubt wurde, konnte geborgen und auf das 6. und 5. Jahrhundert vor Christus datiert werden.
Wir folgen dem Jahrtausende alten Pfad mit ca. 400m Abstecher zu einer Wanderrast mit Brunnen. Kehren nach der kleinen Pause wieder zurück und nehmen den Weg durch die Landwirtschaft, treffen auf die Via San Pietro und biegen nach rechts in sie ein. Nochmals nach rechts wandern wir bei der Tafel Via cava dell’Annunziata, wo wir abwärts durch eine Felsenschlucht mäandern. Anschließend passieren wir die SP46 und besuchen den breiten Wasserfall Cascata del Londini, wo der Bachlauf Lente eine Stufe nimmt. Den Weg geht’s wieder zurück und die kleine Steinbogenbrücke bei der Mühle wird gequert.
Durch den Wald „schluchtig“ rauf erreichen wir die faszinierende Altstadt von Pitigliano – hier hat vermutlich auch jeder Stein seine Geschichte: Die Kirche San Rocco wurde bereits 1274 urkundlich genannt, mittelalterlich ist die Cathedrale San Pietro e San Paolo, das jüdische Viertel, das archäologische Museum beim musealen Palazzo Orsini, das Acquedotto Mediceo und noch so viel mehr! Der Ausgangsort ist lediglich 1km entfernt und wir gefühlt noch Hunderte von Jahren.
Bildnachweis: Von Sailko [CC BY 3.0] via Wikimedia Commons