Hoher Westerwald

Beitrag erstellt 28.02.2009 - 09:29 von garmini

Der Hessenblick an der Holzbachschlucht bei Gemünden im hohen WesterwaldDer Hohe Westerwald erstreckt sich rund um die Hochfläche zwischen Rennerod, Bad Marienberg und Westerburg. Die südliche Ausdehnung reicht bis nach Wallmerod. Im Norden streift der Hohe Westerwald im Freien Grund die Ausläufer des Siegerlandes. Die östliche Grenze verläuft mit der Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz, die westliche Grenze auf einer gedachten Linie von Herdorf im Norden bis Wallmerod im Süden.

Am Salzburger Kopf im Hohen Westerwald bei RennerodKern des Westerwalds ist das Gebiet um Stein-Neukirch in der Gemeinde Rennerod. 1048 erfolgt eine erste urkundliche Nennung, die den "Wald im Westen des Königshofes Herborn" Westerwald genannt hat. Die Herrschaft Westerwald setzte sich aus den späteren drei Kirchspielen Marienberg, Emmerichenhain und Neukirch zusammen. Erst später werden die sechs Diezer Kirchspiele Hundsangen, Nentershausen, Meudt, Salz, Rotenhain und Höhn „auf dem Walde“ und ab 1470 als Kirchspiele „zum Westerwalde“ genannt.
 
Ab 1900 etwa erfolgt dann die Ausweitung des Begriffs Westerwald auf das heutige Gebiet zwischen Rhein, Lahn, Dill und Sieg. Den ursprünglichen Westerwald findet man demnach auf den Hochebenen zwischen Fuchskaute, Salzburger Kopf und Stegskopf – den drei höchsten Erhebungen im Westerwald.
 
Schloss Molsberg ist der Stammsitz der Grafen von Walderdorff im Hohen WesterwaldBeginnen wir die Reise durch den Hohen Westerwald im Süden, erstreckt sich zunächst die Gemeinde Wallmerod entlang der Wasserläufe des Eisenbachs und des Ahrbachs. Hier findet man schöne Wandergebiete in der Gemarkung Boschern bei Hundsangen. Weiter nördlich erreicht man Molsberg. Das gleichnamige Schloss ist seit 1657 bis heute Stammsitz der Grafen von Walderdorff. Das Schloss kann nicht besichtigt werden. Aber der Landschaftsgarten mit der bekannten Linden-Allee von 1760 ist zugänglich. Im Gartenpavillon finden regelmäßig Kunstaustellungen statt.
 
Der Wiesensee bei Stahlhofen im hohen WesterwaldDas Westerburger Land schließt sich nördlich an. Angefangen bei Weltersburg – einer Burgruine mit hervorragender Aussicht über das Elbbachtal – über das Naturdenkmal Kranstein und den mächtigen Basaltrücken Watzenhahn bis zum Westerburger Kopf reihen sich Naturschönheiten aneinander. Zu den beliebtesten Ausflugszielen im Westerwald gehört die seit 1929 unter Naturschutz stehende Holzbachschlucht bei Gemünden und der sich wenige Kilometer weiter befindliche Wiesensee. Hier ist neben Wandern auch Wassersport und Golfen in bester Ausstattung möglich.
 
Am alten Basaltsteinbruch Stöffel, heute ein Tertiär- und Industriegeschichtspark im hohen WesterwaldEin Ziel der besonderen Art ist der Erlebnispark Stöffel, der eine perfekte Mischung aus Erdgeschichte und Industrievergangenheit präsentiert. Zwischen den Orten Nistertal, Enspel und Stockum-Püschen gelegen, sollte man den Stöffel bei einer Reise durch den Westerwald fest einplanen.
 
Westerburg selbst ist eine hübsche Kleinstadt mit bewegter Vergangenheit, die man heute noch in der Oberflecken genannten Altstadt rund um das Schloss Westerburg nach empfinden kann. Neben der Liebfrauenkirche lohnen sich in der Stadt auch ein Besuch des Trachtenmuseums Westerburg und des Erlebnisbahnhofs Westerwald.
 
Das alte Rathaus in Rehe bei Rennerod im hohen WesterwaldIn der Gemeinde Rennerod verbinden sich viele Eindrücke: Von den malerisch gelegenen Secker Weihern über die typischen, aber selten gewordenen Wacholderheiden bei Westernohe und die Fachwerk-Architektur in Rehe bis zur kargen Landschaft an der Fuchskaute und dem Salzburger Kopf. Hier war bis zur Wiedervereinigung 1990 nicht nur das Zentrum der Bundesrepublik Deutschland, hier ist heute noch das Zentrum des Westerwalds.
 
Bad Marienberg im Hohen Westerwald ist seit 1961 ein anerkannter Kneipp-KurortDer Kurort Bad Marienberg liegt direkt am Westerwaldsteig und bietet dem Wanderer gute Erholungsmöglichkeiten z.B. im Kurpark mit dem Apothekergarten und einem Barfußweg der Sinne. Am Rande von Bad Marienberg markieren die Wolfsteine die ehemalige Grenze der Herrschaft zum Westerwald.
 
Am Rand von Bad Marienberg bietet der Hedwigturm am Wildpark eine gute Aussichtsmöglichkeit. Der Wildpark selbst ist klein, aber hübsch und ganzjährig kostenfrei zu besuchen. Gegenüber dem Wildpark befindet sich das Geotop „Basaltpark Bad Marienberg“. Es verschafft einen guten Eindruck über die vulkanische Entstehung der Westerwaldhöhen.
 
Rund um Bad Marienberg befindet man sich im Einzugsgebiet der Großen Nister, die an der Fuchskaute entspringt, und der beiden Zuflüsse Schwarze Nister und Kleine Nister. Hier bieten sich zahlreiche schöne Wandermöglichkeiten z.B. in das Naturschutzgebiet Bacher Lay bei Nisterau, ins Wäschbachtal bei Unnau oder nach Nistertal, einer der Anrainer-Gemeinden am Erlebnispark Stöffel.
 
Das Daadener Land ist eine waldreiche Gegend, die sich vom Stegskopf westlich entlang des Daadenbachs erstreckt. Der Stegskopf war bis in die 1930er Jahre eine der Keimzellen des deutschen Skisports und der Wanderbewegung. Hier auf der Siegfriedhütte entstand u.a. auch der Text zum bekannten Westerwaldlied.
 
Schloss Friedewald im Daadener Land im hohen WesterwaldFriedewald im Westerwald ist Sitz des gleichnamigen Schlosses Friedewald. Nicht nur das Schloss ist ein beliebter Ausflugspunkt, sondern auch die Wälder rund um Friedewald. So zählt die Grafengruft zu einem der Geheimtipps der Westerwald-Wanderer.
 
Die evangelische Barockkirche in Daaden im Hohen Westerwald mit ihrer markanten Zwiebelhaube bietet Platz für 1.200 GottesdienstbesucherIn Daaden selbst kann man sich nicht nur im Daadener Heimatmuseum informieren, sondern sich auch die gut zweitausendjährige Geschichte des Bergbaus in der Region auf dem Daadener Grubenwanderweg erschließen. Die Grube Füsseberg im Daadener Stadtteil Biersdorf war eine der größten Eisenerzgruben im Siegerland und noch bis 1965 im Betrieb. Zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten zählt auch die Barockkirche.
 
An das Daadener Land schließt sich im Norden schließlich der Freie Grund an, der schon teilweise zu Nordrhein-Westfalen gehört und oft auch als Teil des Siegerlands beschrieben wird. Der Freie Grund ist wie das Daadener Land durch intensiven Bergbau gekennzeichnet. In rund 70 Gruben wurden verschiedene Mineralien gefördert.
 
Die Höh bei Burbach im Freien Grund ist die natürlich Grenze zwischen Rothaargebirge und WesterwaldDer Gebirgszug Die Höh ist die natürliche Grenze zwischen Rothaargebirge und Westerwald. Hier sind heute mehrere Naturschutzgebiete ausgewiesen, in denen man eine beeindruckende Flora und Fauna erleben kann. Speziell die Gambach-Hochheide oberhalb von Burbach mit dem Heideweg ist ein lohnendes Ziel für Wanderer.
 
Das Tal der Heller verläuft durch den Freien Grund am Rande des Hohen WesterwaldsNeunkirchen ist ein von Industrie geprägter Ort, der in der Umgebung zweier ehemaliger Grubenbetriebe reizvolle Landschaftseindrücke bietet. Vom Steimel aus hat man einen guten Blick über das obere Hellertal. Auf dem Pfannenbergkopf – früher der tiefsten Erzgrube Europas – wurde ein alter Förderturm bereits 1934 als Aussichtsplattform eingerichtet, die nach wie vor nur für Wanderer (und Radfahrer) zugänglich ist.
 
Weiter hinab im Hellertal erreicht man den Hohenseelbachskopf und die Malscheid, zwei Berge, in denen im Mittelalter die Herren des Freien Grundes bis zu ihrer Entmachtung residierten. Hier verläuft auch der Europäische Fernwanderweg E1 auf seinem Weg von Schweden bis nach Italien.
 
Blick auf Herdorf im Hellertal im Hohen Westerwald  und die Hachenburger Höhe im HintergrundVon Herdorf aus lohnt eine Wanderung ins Sottersbachtal oder von der ehemaligen Grube Concordia über den Gebirgskamm bis zum Pfannenbergkopf. Ein Abstecher ins Bergbaumuseum Sassenroth sollte auf dem Programm nicht fehlen. Es beherbergt u.a. ein Schaumuseum, das die Arbeit unter Tage dokumentiert.
 
Der Hohe Westerwald lässt sich am besten über die Bundesstraße B 54 von der Autobahnausfahrt Haiger-Burbach der A 45 oder der Bundesstraße 414 erreichen. Die Bundesstraße B 414 zweigt in Höhe von Driedorf von der B 255, die von der Autobahnausfahrt Herborn-West kommt, ab.

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