Niedersfeld

Waldhotel Willingen
Waldhotel Willingen

Ganz im Norden des Stadtgebiets von Winterberg liegt Niedersfeld. Im Süden erhebt sich der Gipfel des Rimbergs (763m), im Norden der des Sternrodts (789m), und mitten durch Niedersfeld hindurch fließt die Ruhr. Dass aus diesem kleinen Bächlein im weiteren Verlauf einer der wichtigsten Flüsse Nordrhein-Westfalens wird, Namensgeber einer ganzen Industrieregion, sieht man ihm jetzt noch nicht an. Kaum mehr als fünf Kilometer hat die Ruhr an dieser Stelle von ihrer Quelle beim Ruhrkopf (696m) im Süden zurückgelegt, und Niedersfeld ist die erste Ortschaft am 219km langen Lauf der Ruhr.

Um zur Ruhrquelle zu gelangen, kann man beispielsweise dem Ruhrhöhenweg mit der Markierung XR südlich aus Niedersfeld hinaus folgen. Bevor man das tut, sollte man sich aber erst noch ein wenig in Niedersfeld umsehen, denn es gibt Einiges zu entdecken. Darunter das Wasserrad am Ortseingang, oder die sehr schönen alten Fachwerkhäuser an den Straßen In der Ecke und Stammecke. Eines von ihnen, Stammecke 6, geht auf das Jahr 1652 zurück und ist damit vermutlich das älteste Wohnhaus im heutigen Stadtgebiet Winterbergs. Das älteste Gasthaus in Niedersfeld ist das 1827 erwähnte Hotel Cramer.

Im Zentrum von Niedersfeld steht die katholische Kirche St. Agatha, 1888 im neugotischen Stil entstanden, nachdem die Vorgängerkapelle 1887 abgerissen worden war. 1955 erhielt St. Agatha einen seitlichen Anbau, der Kirchenraum war zu klein geworden, und 1973 wurde der Innenraum erneut umgebaut. 2003 begannen die Niedersfelder, die Kirche grundlegend zu renovieren. Erst im Frühjahr 2004 waren die aufwändigen Arbeiten beendet, und seither erstrahlt die Kirche in ganz neuem Glanz. Freundlich und hell wirkt sie im Inneren. Sehenswert sind der Kreuzweg aus Stein und Bronze, den der Künstler Jürgen Suberg aus Elleringhausen gestaltete, ebenso wie den ungewöhnlichen Altar, der das große Alpha und Omega – Anfang und Ende – darstellt.

In der ehemaligen Dorfschule untergebracht ist die Heimatstube Niedersfeld. Wenn man das weiß, ist die Adresse leicht zu finden: Alter Schulweg heißt die Straße, die man dazu aufsuchen muss. Schwerpunkt der Ausstellung ist neben allerlei altertümlichen Gebrauchsgegenständen das Thema der Leinenproduktion. Der Anbau von Flachs und die Produktion von Leinenstoffen war bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine wichtige Einnahmequelle für die Niedersfelder. Von Aussaat und Ernte des Flachses über die Gewinnung und das Spinnen der Fasern bis hin zum Weben als abschließendem Verarbeitungsschritt reicht die Dokumentation.

Daneben gibt es eine kleine Sammlung von Mineralien zu sehen und naturkundliche Themenbereiche. Eine Fotodokumentation über hundert Jahre Tourismus in Niedersfeld gehört ebenfalls zur Heimatstube, ist aber als Dauerausstellung in den Räumen der Tourist-Information zu finden.

Das größte zusammenhängende Hochheidegebiet Deutschlands ist das Naturschutzgebiet Neuer Hagen, auch Niedersfelder Hochheide genannt. Man findet es leicht, denn es liegt im Quellgebiet des Flüsschens Hoppecke direkt östlich von Niedersfeld am Nordhang des Clemensbergs (839m). Die Hochheide an der Grenze zu Hessen zeichnet sich vor allem durch die seltenen Pflanzen aus, die darin wachsen. Zum Teil befinden sich sogar arktische und alpine Gewächse darunter - für Hobby-Biologen ein interessantes Erkundungsgebiet.

Knapp 76ha groß ist das Naturschutzgebiet Neuer Hagen, die Niedersfelder Heide selbst war allerdings ursprünglich noch viel größer. Durch die ständige Beweidung war ein Hochheidegebiet von 174ha Größe entstanden. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts allerdings wurden große Teile dieser Fläche mit Fichten aufgeforstet, weshalb die Niedersfelder Heide heute von dichten Fichtenwäldern umgeben ist.

Die erste Mühle an der Ruhr, das ist Schleimers Mühle, 1332 erstmals erwähnt. Die historische Wassermühle wird seit 1992 von Werner Schleimer und seiner Frau geführt, bis heute mahlen sie Getreide darin - eine echte Familientradition inzwischen in fünfter Generation. Gerade einmal sieben Kilometer entfernt liegt die Quelle der Ruhr. Vielleicht war das wenige Wasser so kurz nach der Quelle auch ein Grund dafür, dass man die ebenfalls in der Nähe der Mühle entspringende Hille mit zum Antrieb nutzte. Beide Flüsschen tragen etwa je die Hälfte der Kraft bei, die notwendig ist, über einen 1,5km langen Graben, der an die Mühle führt. Seit 1934 wird die Mechanik allerdings nicht mehr durch das Wasserrad, sondern durch eine Turbine angetrieben, zusätzlich wird heute Strom erzeugt.

Nur rund 8,5ha groß ist die Wasserfläche des Hillestausees direkt am südlichen Ortsausgang von Niedersfeld. 360m breit und 230m lang ungefähr ist der See, bei einer maximalen Wassertiefe von rund 12m. Man kann ihn bequem umwandern, es gibt einen ausgebauten Rundweg am Ufer entlang. Allerdings ist der Begriff Wanderung hier reichlich übertrieben, gerade einmal 1,6km ist der Rundweg lang. Dennoch ist der Hillesee, Nordrhein-Westfalens höchstgelegener Stausee, ein beliebtes Ausflugsziel und eignet sich gut zum Baden und Angeln. Damit man den See auch abends genießen kann, wenn die Sonne schon untergegangen ist, gibt es sogar eine Beleuchtung entlang des Uferwegs.

Rund um Niedersfeld findet sich eine reiche Auswahl an gut ausgeschilderten Wegen. Einer davon ist der Themenweg „Höher gehts nicht“. Der Name ist Programm, denn vom Startpunkt in Niedersfeld aus geht es hinauf auf den höchsten und den dritthöchsten Berg Nordrhein-Westfalens, Langenberg (843m) und Clemensberg (839m). Die Rundwanderung bietet auf knapp 14km Länge einen Höhenanstieg von 528m, beste Aussichten über das Winterberger Hochland inklusive. Daneben gibt es noch fünf weitere lokale Rundwanderwege, die ihren Startpunkt in Niedersfeld haben.

Und wer zur Abwechslung mal nicht auf einen Waldweg, sondern aufs Gaspedal treten möchte, für den lohnt der Besuch auf der Niedersfelder Kartbahn. Man findet die Anlage leicht, wenn man der Ruhr nach Süden aus dem Ort hinaus folgt. Mit elektronischer Zeitmessung wie bei den Profis kann man sich auf der 850m langen Strecke unter freiem Himmel spannende Rennen liefern. Und für Nachwuchs-Rennfahrer stehen spezielle Kinder-Karts bereit.

IVW
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