Dietkirchen (Limburg)


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Von Dehrn aus fließt die Lahn wieder ein Stück südwärts und erreicht nach gut einem Kilometer Dietkirchen, das seit 1971 ein Stadtteil von Limburg ist. Eindrucksvolles Wahrzeichen von Dietkirchen ist die frühere Stifts- und heutige Pfarrkirche St. Lubentius und Juliana.

Dietkirchen war die Keimzelle der Christianisierung des Lahntals und damit großer Teile von Taunus und Westerwald. Die Lubentiuskirche ist die Mutterkirche für den Lahngau, wie das Gebiet zwischen Montabaur und Kassel im fränkischen Reich genannt wurde.

Der heilige Lubentius wurde um 300 n.Chr. in Kobern an der Mosel geboren und vom Trierer Bischof zum Priester geweiht. Ob er tatsächlich an der Lahn missioniert hat, ist kirchengeschichtlich nicht nachgewiesen. Jedenfalls haben die Lahnschiffer Lubentius zu ihrem Schutzparton erkoren und auf wundersame Weise soll der Leichnam des Heiligen von der Mosel bis nach Dietkirchen auf einem unbemannten Schiff angetrieben worden sein.

Die dokumentierte Faktenlage weiß jedenfalls, dass die Dietkirchener Pfarrei 841 zum Kollegiatstift und später zum Trierer Archidiakonat erhoben wurde. Das Archidiakonat verwaltete die gesamten rechtsrheinischen Gebiete des Bistums Trier, zu denen die Dekanate Dietkirchen, Engers, Haiger, Kirberg und Marienfels sowie das Archipresbyteriat Wetzlar zählten. Das Lubentius-Stift wurde erst 1803 aufgehoben.

Der heutige Bau der früheren Stiftskirche geht auf zahlreiche Baumaßnahmen während des 8. und 13. Jahrhunderts zurück. Die Lubentiuskirche ist nur 39m lang und wird an der Westseite von zwei markanten Türmen abgeschlossen. Das Langhaus ist dreischiffig mit fünf Jochen aufgebaut. Die nach Osten weisende Hauptapsis wird von drei gestaffelten Rundbogenfenstern durchbrochen und von einem halbierten Kegeldach bedeckt.

Die Kirche ist von einem alten Friedhof umgeben, der heute nicht mehr genutzt wird und sich sowohl auf das Plateau als auch auf den Bereich am Fuß des Felsens erstreckt. Von hier – der Lubentius Ley – hat man einen prächtigen Blick auf die nach Limburg fließende Lahn. Zwischen den Mauern erhemaliger Wirtschaftsgebäude wird seit 1998 am Hang wieder Wein angebaut. Die knapp 400kg Ernte wird unter der Bezeichnung Dietkirchener Lubentius Ley zu Wein verarbeitet und vor allem im Kirchenbetrieb als Messwein genutzt.

Östlich an das eigentliche Kirchenschiff schließen sich im Süden die Dreifaltigkeitskapelle und im Norden die Michaelskapelle an. Die um das Jahr 1000 erbaute Michaelskapelle beherbergt im Keller ein Beinhaus. Die Dreifaltigkeitskapelle befindet sich am Südostrand des Plateaus. Sie wurde 1378 erstmals erwähnt und um 1700 umgebaut. Dabei wurde auch der Altar durch eine Arbeit der Hadamarer Schule ausgetauscht.

Das Erdgeschoss des Nordturms beherbergt die Lubentiuskapelle mit den Gebeinen des Heiligen von der Mosel. Über dem modernen Altar aus den 1970er Jahren befindet sich hinter dem Gitter des Aufsatzes das Kopfreliquiar des heiligen Lubentius. Der Kopf der Büste, in den ein Teil des Schädels des Heiligen eingeschlossen ist, wurde um 1270 wahrscheinlich in Mainz gefertigt, der Brustteil der Büste wurde 1477 ergänzt.

An der Straße von Dietkirchen nach Limburg bestand während des Ersten Weltkriegs ein Gefangenenlager für bis zu 12.000 Inhaftierte. Zum Gedenken an die Toten wurde zu Pfingsten 1917 ein keltisches Hochkreuz errichtet, das 2007 grundlegend restauriert worden ist. Das 3m hohe aus Sandstein gefertigte Irenkreuz ist auf deutschem Boden eine Seltenheit. Das unter Denkmalschutz stehende Kreuz gilt als Musterbeispiel keltischer Kunst und Architektur.

Wahrscheinlich schon im 13. Jahrhundert war Dietkirchen Marktort. Die Historienschreiber aus dem Mittelalter rühmen etwa die Dietkirchener Bratwurst. Nach dem zweiten Weltkrieg verlief sich aber die Tradition. Erst seit 1991 wird auf Betreiben des damaligen Ortsvorstehers Kurt van der Burg in Dietkirchen wieder am Lubentiustag Dickerischer Maat gefeiert. Jeweils am ersten Oktoberwochende - allerdings nur noch jedes dritte Jahr - wird der Dickerischer Maat in historischem Ambiente von über 10.000 Besuchern gefeiert. 2009 war Marktjahr, der nächste Dickerischer Maat steht also 2012 an.


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