Windecker Ländchen

Das Windecker Ländchen ist der südöstliche Teil des Nutscheid, einem Höhenzug, der zwischen der Sieg und der Bröl im Sieg-Bergland verläuft. Hier auf dem Gebiet der Gemeinde Windeck schlägt die Sieg besonders viele Windungen und bildet ein reizvolles Flusstal aus. Vom Tal steigen die Hügel steil an. Höchste Erhebung im Windecker Ländchen ist das Hohe Wäldchen (378m), das zugleich auch der höchste Gipfel des Nutscheid ist.

Das Hohe Wäldchen liegt ganz im Norden des Windecker Ländchens im Übergang zur Stadt Waldbröl. Rund um das Hohe Wäldchen erstreckt sich das 5ha große Naturschutzgebiet Hohes Wäldchen auf dem Nutscheid, das 1999 eingerichtet wurde. Davor wurde die Hochfläche als Militärgebiet genutzt. Heute machen sich hier Zwergstrauchheide und Magergrünland breit. Besonders bedroht sind diese Flächen durch eine Verbuschung mit Ginster. Daher weiden seit der Ausweisung als Schutzgebiet Schafe auf der Hochfläche, deren Verbiss für eine Ausweitung der selten gewordenen Landschaftsform sorgt.

Seinen Namen verdankt das Windecker Ländchen der Burg Windeck, die bei ihrer ersten urkundlichen Erwähnung 1174 den Landgrafen von Thüringen gehörte und dann an die Herzöge von Berg als Lehen gegeben wurde. Burg Windeck erlebte als Grenzfeste eine wechselvolle Geschichte und war mal von Hessen, mal von Schweden, mal von Kurpfälzern besetzt, bis 1672 französische Truppen die mächtige Burg einnahmen und zerstörten.

Ein Wahrzeichen des Windecker Ländchens ist neben der Burgruine Windeck der sogenannte Siegtaldom – die Pfarrkirche St. Laurentius in Dattenfeld. Sie ist die einzige doppeltürmige Kirche im Rhein-Sieg-Kreis. Das heutige Kirchgebäude wurde 1879-80 errichtet. Die Pfarrkirche St. Laurentius ist eine dreischiffige Säulenbasilika im neuromanischen Stil. Ihren Spitznamen Siegtaldom hat sie aufgrund ihrer Doppelturmfassade erhalten, die bis zu 56m hoch ist. Von der ursprünglichen Kirche oder Kapelle, die aus dem 12. Jahrhundert stammte, und die ein noch älteres Bauwerk aus dem 9. Jahrhundert ersetzte, sind die beiden unteren Geschosse des Nordturms erhalten.

Sehenswert ist auch Burg Dattenfeld im gleichnamigen Ort an der Sieg, ein befestigtes Haus, das auf ein recht feudales Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht. Ihr Baujahr liegt um 1629; dieses Datum steht auf der Wetterfahne des Hauses. Durch Umbauten und eine mit Türmchen besetzte Außenmauer entstand der Eindruck eines Herrensitzes bzw. einer Burg. Heute ist Burg Dattenfeld im Privatbesitz und wird als Hotel mit Burgcafé genutzt, in dem auch standesamtlich geheiratet werden kann.

Das Windecker Ländchen hat eine Reihe von Naturschönheiten zu bieten. Die bekannteste ist der Siegfall bei Schladern: Hier fällt das Wasser über mehrere Stufen auf einer Breite von 84m bis zu 4m tief ab. Der Siegfall ist künstlich entstanden: Beim Bau der Eisenbahnstrecke von Deutz nach Siegen 1857-59 wurde die Sieg mehrfach begradigt. Mit einem Durchbruch beim Ort Stein legte man die Siegschleife um Burg Windeck weitgehend trocken und leitete das Wasser um. Die Wasserkraft des Siegfalls wird heute zur Stromerzeugung genutzt.

Der Siegfall liegt im weitläufigen Naturschutzgebiet Siegaue, das sich vom Windecker Ländchen über Eitorf bis Hennef auf einer Fläche von 523ha zieht. Es wurde ausgewiesen, um die naturnahe Flusslandschaft, die von landesweiter und europäischer Bedeutung ist, mit allen ihren Facetten zu erhalten und wiederherzustellen. Dazu gehört auch der Schutz des Lebensraumes für zum Teil stark gefährdete bzw. vom Aussterben bedrohte wildlebende Pflanzen- und Tierarten. Zu den unzähligen Vogelarten, die hier leben, zählen Teichrohrsänger, Pirol, Blaukehlchen und Zwergtaucher; im und am Wasser tummeln sich Kleines Granatauge, Teichfrosch, Wasserralle, Steinbeißer, Hecht und Bitterling.