Wandern im Main-Taunus

Der Main-Taunus ist eine der am dichtesten besiedelten Flächen in Deutschland. Daher mag es überraschen, dass man hier im Landstrich zwischen Wiesbaden und Frankfurt am Main ein erstaunlich vielseitiges Wandergebiet entdecken kann. Das reicht von der kulturellen Stadtwanderung (das liegt nahe) bis hin zu echten Walderlebnissen, malerischen Weinbergstouren und auch gleich mehrere Fernwanderwege leiten mitten durch den Main-Taunus.

Der Nordwesten des Main-Taunus wird durch den Eppsteiner Hors geprägt, ein dichtes Waldgebiet am Taunuskamm. Auf der Rundwanderung von Hofheim zum Hohen Staufen und dem Kaisertempel (25km) kann man auf einer anspruchsvollen Tagestour diese grüne Seite des Main-Taunus erkunden. Man kommt u.a. vorbei am Meisterturm auf dem Kapellenberg (292m), dem Ausflugslokal Gimbacher Hof und natürlich dem Aussichtspunkt Großer Mannstein am Hohen Staufen (451m).

Im Südwesten zeigt der Main-Taunus, warum er sich auch das Tor zum Rheingau nennt. Auf dem Weinerlebnisweg Oberer Rheingau (18km) wandert man von Massenheim über Wicker und durch die Hochheimer Weinberger nach Mainz-Kostheim. Die Weine, die hier gezogen werden gehören zur Weinlage Rheingau und erfreuen Kennergaumen von nah und fern.

Manch einem gilt sie als schönste Taunustour, die Rundwanderung von Bad Soden nach Königstein (22km), die Vordertaunus und Hochtaunus gelungen miteinander verbindet. Es geht vom Kurpark Bad Soden vorbei an Kronberg und dem Opel-Zoo zur Burgruine Falkenstein. Dann erreicht man Königstein und genießt von der Burg Königstein den Blick auf Frankfurt.

Ebenfalls den Opel-Zoo im Reiseplan hat die Taunus Safari-Route (12km), die vor allem durch eine interessante (und kindgerechte) Beschilderung auffällt. Da werden Giraffen vor niedrigen Brücken gewarnt, Pelikane aufgerufen, nicht zu tauchen und Nilpferde an Gewichtskontrollen erinnert: Von Frankfurt-Sossenheim geht es vorbei am Arboretum Main-Taunus und durch den Quellenpark Kronthal zum Opel-Zoo und damit auch Tiere sich zurecht finden, gibt’s die lustigen Schilder am Wegesrand.

Deutlich ernsthafter kommt dagegen der Hölderlinpfad (22km) daher, der Bad Homburg mit Frankfurt verbindet. Diese Strecke musste Friedrich Hölderlin öfters gehen, wenn er von seinem Unterschlupf in Bad Homburg zur Dame seines Herzens wollte – Susette Gontard, die Hölderlin als Diotima in seinem Briefroman Hyperion verewigte. Der Dichter schaffte den Weg, der über Kalbach-Riedberg und Bonames führt übrigens in drei Stunden!

Der Frankfurter Grüngürtel Rundwanderweg schließt sich um den Innenstadtbereich von Frankfurt und führt dabei natürlich auch durch den Main-Taunus. Die zweite Etappe startet in Frankfurt-Bonames und führt über den Alten Flugplatz und durch Heddernheim zum Niddapark. Durch den Solmspark in Rödelheim wandert man weiter nach Höchst, wo die Nidda in den Main.

Ist der Grüngürtel Rundwanderweg der innere Ring, verläuft die Regionalpark-Rundroute Rhein-Main quasi wie ein äußerer Ring um das gesamte Rhein-Main-Gebiet. Die Startetappe führt von Mainz-Gustavsburg aus in den Main-Taunus. Man passiert den Aussichtsturm Vogelnest, den Flörsheimer Eisenbaum und das Regionalparkzentrum an den Weilbacher Kiesgruben mit dem hohen Regionalpark-Aussichtsturm, bevor man in Hattersheim die Tageswanderung abschließt.

Einmal quer von West nach Ost durch den Main-Taunus leitet die Bonifatius-Route, ein Pilgerweg, der daran erinnert, dass im 8. Jahrhundert die Leiche des Bischofs Bonifatius von Mainz nach Fulda überstellt wurde. Die erste Pilgeretappe startet in Mainz und bringt den Pilgerer über Mainz-Kastel und den Mainhafen in Mainz-Kostheim nach Hochheim und weiter über Flörsheim und Wicker nach Weilbach. Hier startet die zweite Etappe der Bonifatius-Route, die über das Arboretum Main-Taunus nach Eschborn leitet. Die dritte Etappe schließlich führt von Eschborn weiter in die Wetterau.

Noch länger als alle hier beschriebenen Wandertouren zusammen ist der Europäische Fernwanderweg E 3, der über knapp 7.000km Istanbul mit dem Atlantik verbindet. Die Strecke durch den Taunus kennt man auch als Taunushöhenweg. Die vierte Etappe kommt von Glashütten und erreicht den Main-Taunus am Eppsteiner Horst. Von Eppstein aus führt die fünfte Etappe hinauf auf den Kellerskopf (474m) im Rheingau.