Spich

Eine Besonderheit von Spich ist der Bleimopsplatz mit dem Moggelbrunnen auf dem ehemaligen Schulhof. Der 2005 eröffnete Platz mit seiner markanten Brunnenfigur aus Bronze geht zurück auf einen alten Spicher Broterwerb, von dem auch die „Nationalhymne“ des Ortes handelt: „Ein Spicher Bleimops bin ich zwar, verdien mein Geld stets in Gefahr, aber wenn Feinsliebchen am Schlagbaum ruht, dann geht das Moggelen noch mal so gut“.

Die Spicher Bleimöpse gab es ca. ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Sie verdienten in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihr Brot durch Moggeln, d. h. durch „Mopsen“ (illegalem Sammeln) von Bleikugeln auf militärischem Sperrgebiet - dem Gelände des angrenzenden Truppenübungsplatzes Wahner Heide. So war diese Tätigkeit auch ganz und gar nicht ungefährlich. Die gesammelten Moggele, die Bleikugeln, wurden nach Köln verkauft. Wer durch Moggeln genug verdiente hatte, konnte schließlich sein Feinsliebchen heiraten.

Vom ehemaligen Truppenübungsplatz westlich von Lohmar aus führt der Eisenweg vorbei am Fliegenberg (134m) nach Spich. In diesem Bereich finden sich einige Hügelgräber, die auf eine Besiedlung des Ortes bereits um 3500 v. Chr. schließen lassen. Man passiert auch den Telegraphenberg (134m), an dem 1832-34 eine Telegraphenstation für die optische Signalübertragung von Köln nach Berlin gebaut wurde, das spätere Forsthaus Telegraph. Über den Mauspfad, einen historischen alter Handelsweg zwischen Siegburg und Köln, geht es dann hinein nach Spich.

Spich ist der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Troisdorf im Wandergebiet Wahner Heide. Zwei Adelshäuser prägten die Geschichte von Spich maßgeblich: Das Haus Broich und das Haus Spich, die beide erstmals im 12. Jahrhundert in den Geschichtsbüchern auftauchten. Die ursprünglichen Gebäude beider Adelssitze existieren nicht mehr. Das 1620 im Renaissancestil errichtete, denkmalgeschützte Herrenhaus von Haus Broich steht in der Burgstraße in der Nähe des Spicher Bürgerhauses. Es liegt am Rand einer großzügigen Parkanlage, die direkt an das Naturschutzgebiet Wahner Heide grenzt.

Die denkmalgeschützte Anlage von Haus Spich besteht aus dem 1866 errichteten Herrenhaus an der Hauptstraße sowie einem Gewölbekeller im Vorgartenbereich. Daneben steht ein ebenfalls denkmalgeschütztes Heiligenhäuschen.

Mittelpunkt von Spich ist die neugotische Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt in der Niederkasseler Straße. Das Kirchgebäude wurde 1858-1860 errichtet. Außerdem steht in der Kochenholzstraße ein ebenfalls denkmalgeschütztes Wegekreuz mit Korpus und kniender Magdalena aus dem Jahr 1724.

Am östlichen Rand von Spich liegt ein geologisches Kuriosum: Der sagenumwobene Spicher Hohlstein, von den Einheimischen Hollsteen genannt, ein größtenteils hohler Quarzitstein und ein beliebtes Wanderziel. Sein sichtbarer Teil ist 9m mal 6m groß und 4m hoch. Der geschätzte 15 Millionen Jahre alte Spicher Hohlstein entstand ab dem Tertiär, als sich das Wasser der Urmeere zurückzog und Ablagerungen von Quarzitsand hinterließ. Durch geologische Prozesse und Verbindung mit Kieselsäure verfestigte sich der Sand außen – der lockere Sand innen wurde ausgeschwemmt.

Am Westrand von Spich in Richtung Libur liegen die Spicher Seen, die während der Kiesgewinnung entstanden sind. Molchweiher und Storchensee liegen im Norden, Schalbensee, Schilfsee und der Grüne Spicher See – ein Angelgewässer – im Süden.

Südlich an Spich grenzt der Troisdorfer Stadtteil Oberlar, den man bei einem Marsch durch den kleinen Stadtteilpark erreicht. Das Ortsbild von Oberlar ist geprägt von zahlreichen denkmalgeschützten Wohngebäuden vom Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere in der Elisabethstraße und der Landgrafenstraße.

Zu den Sehenswürdigkeiten von Oberlar zählt die katholische Pfarrkirche Heilige Familie. Das denkmalgeschützte Kirchgebäude aus dem Jahr 1908 steht in der Lindlaustraße. Außerdem sind im Ort zwei historische Wegekreuze zu finden: Das Oberlarer Kreuz an der Sieglarer Straße wurde 1727 gestiftet und ist von kunstgeschichtlichem Interesse. Das zweite Wegekreuz steht an der Magdalenenstraße und zeigt eine kniende Magdalenenfigur.