Notfälle beim Wandern: Ursachen und Lösungen

Wandern ist wohl eine der schönsten Arten überhaupt, sich zu bewegen und den Einklang mit der Natur zu genießen. Ungefährlich ist es dennoch nicht – ob Unfall oder körperliche Probleme, die Route kann zur Falle werden und dann kann sogar akute Todesgefahr drohen. Was sind die Ursachen solcher Vorfälle und welche Problemlösungen sollte man im Hinterkopf haben?

Ursachen und der Faktor Mensch

Natürlich lauern bei manchen Arten des Wanderns größere Gefahren als bei anderen – so gehören Berg- und Höhenwanderungen sicherlich zu den gefährlicheren. Nichtsdestotrotz sind einige der typischen Ursachen nicht in der Umwelt, sondern bei den Wanderern selbst zu suchen.

Prinzipiell ist eine der typischen Ursachen die Fehleinschätzung der Route, des Wetters und der eigenen Fähigkeiten. Doch was heißt das genau? Zwar mag die Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten manchmal zum Problem werden – beim Wandern ist sie es meistens nicht. Deshalb ist es auch so wichtig, die richtige Route zu wählen.

Körperliche Fitness und Selbstvertrauen sind hier die Schlagworte. Was kann mein Körper leisten und wie viel traue ich mir zu? Da die meisten Menschen nicht alleine wandern, ist das Thema Gruppendynamik unbedingt zu beachten. Das gemeinsame Abschätzen der Situation verhindert ein gegenseitiges Anstacheln zu vermeintlichen Höchstleistungen, das schnell im Unfall enden kann. Sollte eine Steigung zu viel sein oder der Weg zu weit, ist das Umkehren immer die bessere Option als das Wagnis.

Vorbereitung ist immer die halbe Miete. Denn mit der richtigen Kleidung und dem richtigen Equipment sowie einer gewissen Vorsorge können Naturbegeisterte beruhigter ihre Tour starten. Selbst für den Unglücksfall gibt es eine sinnvolle Prophylaxe: Ein kleines Täschchen mit Erste-Hilfe-Gegenständen hilft, kleinere Malheurs zu verarzten. Sollte dies nicht mehr reichen, kann mittels der App migardo unterwegs direkt der Notruf abgesetzt werden. Personenortung per GPS-Sender ist heute zudem nichts Unmögliches mehr, kann aber wie die App lebensrettende Zeit sparen.

Unberechenbar: Die Natur

Selbst, wenn Wanderer alle Vorbereitungen perfekt treffen: Die Natur ist immer bis zu einem gewissen Grad unberechenbar. Selbst der sorgfältigste Wettercheck kann sich als falsch herausstellen und direkt oder indirekt für Gefahr sorgen. So kann z.B. ein Gewitter für akute Lebensgefahr im Wald sorgen, selbst wenn der Blitz nicht direkt einschlägt. Übrigens können Blitze räumlich und zeitlich nach oder vor einem Gewitter auftreten.

Kälte, Regen und Schnee können zu Erfrierungs- und Erschöpfungszuständen führen. Nicht nur, aber auch in Höhenlagen sind Stürme eine Gefahr für Wanderer. Egal, ob sie für Seitenwind oder in dichter Vegetation für das Umknicken von Bäumen sorgen – bei extremen Witterungsbedingungen sollte ein Abbruch der Wanderung auf jeden Fall eine gangbare Option darstellen.

Selbst strahlender Sonnenschein kann durch unbarmherzige Hitze für gesundheitliche Probleme, zum Beispiel einen Sonnenstich, sorgen. Selbst, wenn man Gefahren nicht als solche einschätzt, können sie durchaus da sein: Ein typischer Fall ist Nebel. Im ersten Moment erscheint es unklar, inwiefern sich dieser negativ auf die Wanderer auswirken sollte. Allerdings erschwert er die Orientierung ungemein. Im Zweifelsfall kann hier das klassische Instrument Kompass aushelfen.

Bei allen diesen Erscheinungen ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren. So kann die bereits angesprochene gute und souveräne Vorbereitung mit Ausrüstung und Equipment einen großen Teil dazu beitragen, dass alles gut geht und die Tour vielleicht nicht einmal abgebrochen werden muss. Das altbekannte Zwiebelprinzip bei Textilien funktioniert nach wie vor gut und schützt bei ungünstiger Wetterlage. Wird das Wetter zu extrem gilt aber: Abbrechen, und falls dies nicht möglich ist: Hilfe rufen!

Was tun im Notfall?

Auf jeden Fall macht es Sinn, eine gut ausgestattete Reiseapotheke zur Verfügung zu haben, die gemeinsam mit dem Erste-Hilfe-Set das medizinische Rückgrat für das Wandern darstellt. Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol sollten sich auf jeden Fall im Gepäck befinden. Durchfallmittel verhindern Dehydration und zu großen Mineralverlust. Eine kühlende Salbe hilft für kleinere Übel, sollte ein Wanderer der Gruppe umgeknickt sein oder Ähnliches.

Erste Hilfe beim Wandern muss natürlich gelernt sein. Und das bestenfalls professionell, in einem ganz normalen Erste-Hilfe-Kurs. Zwar mag beinahe jeder erwachsene Mensch sich an die stabile Seitenlage erinnern. Verschlechtert sich jedoch die Gesundheit des Mitreisenden, wissen die meisten Erwachsenen nicht, wie man diesen lagern soll – denn eine pauschal korrekte Lagerung gibt es nicht, sie muss je nach Fall zur Anwendung kommen.

Denken Sie stets daran, dass Sie auch beim Antreffen von fremden Wandergruppen ethisch und rechtlich zur Hilfe verpflichtet sind! Nach dem neunstündigen Kurs sind Sie auch in der Lage, beispielsweise Armbrüche provisorisch zu verbinden.

Hat sich das Unfallopfer eine Wunde zugezogen, benutzen Sie Einweg-Handschuhe, um die Person und sich selbst vor weiteren gesundheitlichen Folgen abzusichern. Bei einem Schock lagern Sie die Beine des Opfers für eine optimale Blutversorgung des Körpers hoch! Besonders in den kalten Jahreszeiten und in größeren Höhen sollten Sie darauf achten, dass der Verunfallte warm gehalten wird – egal ob durch Jacken oder Wärmedecken, ein geschwächter Körper kühlt schnell aus.

Vorsehen statt Nachsehen

Umsichtiges Handeln und gute Vorbereitung können Unfällen vorbeugen. Sollte dies jedoch nicht genügen, scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu rufen. Zur Prävention solcher Vorfälle gilt allerdings immer: Seien Sie auch in Gruppen nicht übermütig, sondern wählen die vernünftigste Route für Ihre Leistungsgrenzen! So kann jede Wanderung eine positive Erfahrung werden.

Bildnachweis: Bild 1 von Hermann; Bild 2 von gabeincognito0, beide [CC0] via Pixabay

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