Hönnetal

„Das Thal klemmt sich immer wilder und düsterer endlich zur engen Schlucht zusammen; die schmale Hönne rauscht pfeilschnell unten über kantige Felsbrocken, aufbrodelnd und Streichwellen über den Fußweg schleudernd, bis endlich aus tiefem Kessel uns das Gebrause und Schäumen einer Mühle entgegenstürmen.“

Ferdinand Freiligrath formulierte es 1842 so in seinem Werk „Das malerische und romantische Westphalen“. Westfalens romantischstes Tal sei das der Hönne, schrieb er - und da stimmten ihm seine Zeitgenossen auch durchaus zu. Bis heute hat dieses enge Tal inmitten des Naturparks Homert viele Freunde.

Eisenbahnfans fahren mit der Hönnetalbahn hindurch. Hobby-Speläologen erkunden die rund 75 Höhlen des Karstgebirges - das damit das höhlenreichste Gebiet Westfalens darstellt. Kletterer erklimmen die steilen Felsen. Und Wanderer freuen sich an den abwechslungsreichen Wanderstrecken auf den Höhen entlang der Hönne.

Zu ihrem Recht kommen auch historisch Interessierte. Vom echten Wasserschloss in Wocklum über die industriegeschichtlich bedeutende Hochofenanlage Luisenhütte bis hin zu Ausstellungen rund um die Vor- und Frühgeschichte der Region ist einiges geboten. Und einen Dom hat das Hönnetal auch - zumindest heißt die Pfarrkirche St. Blasius in Balve im Volksmund auch Dom des Hönnetals.

Aber am bekanntesten dürfte die Balver Höhle sein. Deutschlands größte Kulturhöhle, in der Spuren aus Zehntausenden von Jahren der Menschheitsgeschichte gefunden wurden, dient auch heute kulturellen Zwecken. Zwar wird hier nicht mehr gewohnt und gearbeitet wie in der Steinzeit, doch bei Veranstaltungen aller Art sorgt sie für eine unverwechselbare, mystische Atmosphäre und hervorragende Akustik.

Höhlen sind seit alters her in den Sagen und Mythen auch Zugänge zum Feenreich. So gibt es zum Beispiel die Sage von dem Hirtenmädchen aus Volkringhausen, das sich mit einem Zwerg, einem Bewohner der Höhlen, anfreundete. Irgendwann wollte sie sehen, wo dieser Zwerg lebte, und ließ sich auch nicht von ihm davon abbringen. Also führte er sie durch das unterirdische Reich, stellte sie sogar dem Zwergenkönig vor. Doch als sie nach wenigen Stunden wieder an die Oberfläche zurückkehrte, war dort so viel Zeit vergangen, dass sich kaum noch jemand im Dorf an sie erinnerte und ihre Familie in alle Winde verstreut war.

Auch für uns heute ist die Mittelgebirgslandschaft mit ihren Bachläufen, Hochebenen und Wiesentälern zum Darin-Verlaufen schön. Doch zum Glück sind heute die meisten Wanderwege so gut ausgeschildert, dass wir den Weg zurück zum Wanderparkplatz auch ohne jahrzehntelangen Umweg durchs Feenreich wiederfinden dürften. Und ansonsten gibt’s ja immer noch den mobilen GPS-Empfänger.

Namensgeber für das Hönnetal ist der Fluss Hönne, der westlich von Neuenrade entspringt und nach 33km nördlich von Menden in die Ruhr mündet. Folgt man dem Verlauf der Hönne, schließt sich an die Wanderregion Hönnetal die benachbarte Mendener Platte an. Im Osten bilden Sorpe und Röhr eine natürliche Grenze hinüber ins Hochsauerland. Im Süden ist es ebenfalls ein Fluss, der die Grenze markiert, in diesem Fall die Lenne. Und nach Westen hin schließt sich der Balver Wald mit dem Hauptort Hemer an.

Regionaler Bezug:

Balve Neuenrade Märkischer Kreis Nordrhein-Westfalen Hönnetal Lennebergland Sauerland