Gießener Lahntal

Restaurant & Gästehaus „Am Kirchlein“Restaurant & Gästehaus „Am Kirchlein“

Eingefasst von Marburg im Norden und Wetzlar im Süden liegt in einem weitläufigen Becken, den das Lahntal hier ausbildet, die Stadt Gießen. Gießen ist heute die achtgrößte Stadt in Hessen und war von 1803-1938 Hauptstadt von Oberhessen. In dieser Zeit entwickelte sich auch die bereits 1607 gegründete Universität Gießen zu einem der führenden Wissenschaftsstandorte in Deutschland. Justus Liebig – Begründer der organischen Chemie und u.a. Erfinder von Backpulver und Suppenwürfel – und Conrad Wilhelm Röntgen, erster Physik-Nobelpreisträger der Welt, lehrten in Gießen und machten die Stadt im Lahntal überregional bekannt.

Wo große Geister lehren, profitieren auch die Studenten und so wundert es nicht, das die Gießener Justus-Liebig-Universität einige prominente Schüler hatte. Am bekanntesten ist sicherlich der Freiheitsschriftsteller Georg Büchner, der auf der Badenburg den hessischen Landboten verfasste und Krieg den Palästen forderte. Aber auch jüngere Absolventen sind nicht unerfolgreich, wie z.B. die Gießener Studenten Frank Walter Steinmeier und Brigitte Zypries. Beide Politiker studierten nahezu zeitgleich in den 1970er und 1980er Jahren an der Justus-Liebig Universität Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft, Steinmeier lebte 14 Jahre im Gießener Stadtteil Wieseck.

Der soziale Gegenentwurf zum erfolgreichen Akademiker waren im 18. Jahrhundert die Schlammbeißer. Da sich die Gießener Bürgerinnen und Bürger selbst zu schade waren, die fäkal-verschlammten Kanäle zu reinigen, musste dies der nicht sehr hoch angesehene Schlammbeißer übernehmen. Heute gedenkt die Stadt Gießen an die Schlammbeißer mit einer eigenen Bronzestatue direkt am Kirchenplatz unweit der beiden ältesten Häuser Gießen, die Teile des Oberhessischen Museums ausstellen.

Eine weitere skurrile Sehenswürdigkeit, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde, ist das Gießener Elefantenklo. Es befindet sich zwischen Frankfurter Straße und Seltersweg. Der Legende nach sind die drei achteckigen Aussparungen der Brücke auf einen Fehler in der Berechnung der benötigten Betonmasse zurückzuführen. Logistisch gesehen sollen sie Autofahrern Tageslicht und Fußgängern die Aussicht auf den Verkehr gewähren.

Auch in Sachen Kultur hat Gießen einiges zu bieten. Speziell zwei Museen, die günstig nebeneinander liegen, locken zahlreiche Besucher nach Gießen. Da ist zum einen das Mathematikum, das als mathematisches Mitmachmuseum die von vielen als trocken eingeschätzte Materie praktisch erlebbar macht. Und natürlich erinnert Gießen im Liebig-Museum an den großen Wissenschaftler. In dem früheren Labor des Chemikers wird gezeigt, mit welchen Experimenten Liebig ein ganzes Fachgebiet begründete und deshalb heute auch Namenspate des Justus-Liebig-Universität ist.

Außerhalb der Kernstadt gibt es Einiges zu entdecken, z.B. das frühere Kloster Schiffenberg. Die ehemalige Klosteranlage steht auf dem gleichnamigen 281m hohen Berg. Ausgrabungen seit 1973 belegen, dass der Schiffenberg seit 6.000 Jahren besiedelt war. Bei dem Kloster handelt es sich um ein Augustiner-Chorherrenstift, dessen Angehörige nicht zurückgezogene Mönche, sondern weltliche Geistliche waren.

Für einen weiteren Ausflug in die Natur ist ein Besuch der Wieseckaue lohnenswert. Sie befindet sich zwischen Großen-Buseck (nordöstlich der Kernstadt) und der Gießener Innenstadt. Aufgrund ihrer gut ausgebauten Feldwege ist sie ein beliebtes Ziel für Jogger, Radfahrer und Spaziergänger.