Durch den Nationalpark Thy: Auf den Spuren der Geschichte Dänemarks

Für Wanderfreunde ist Dänemark seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel. Malerische Landschaften laden dazu ein, das Land auf eigene Faust zu entdecken. Besonders ausgedehnte und lohnende Wanderrouten bietet der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Nationalpark Thy.

Neben interessanten Strecken mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten können Wanderer im Nationalpark Thy auch ein Stück der Geschichte Dänemarks entdecken und erahnen, was dieses Land zu einem so beliebten Reiseziel für Naturfreunde macht.

Der Nationalpark Thy erstreckt sich über die dänische Region Nordjylland und die Insel Vendsyssel-Thy und gilt als der älteste Nationalpark Dänemarks. 2007 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt und im Sommer 2008 offiziell als Nationalpark für Besucher geöffnet. 

Auf 24.340 Hektar kommen Wanderer voll auf ihre Kosten, denn das Gebiet ist äußerst vielseitig und bietet neben nahezu unberührter Natur auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten mit geschichtsträchtigem Hintergrund.

Über weite Flächen ist der Nationalpark Thy von Dünenwäldern, Dünenheiden und langen Küstenabschnitten geprägt. Hier tost das Meer noch in seiner ursprünglichen Gewalt um die Felsen und bietet ein echtes Naturschauspiel. Vor allem im westlichen Teil des Nationalsparks zeugen noch deutliche Spuren von den Sandverwehungen, die hier Jahrhunderte lang vorherrschten. 

Um die Sandflucht und das Näherrücken des Meeres zu verhindern, wurden die gewaltigen Wälder angepflanzt, die heute eine lebendige Geschichte vom Kampf des Menschen gegen die Gewalten der Natur erzählen. Wer möglichst viele der Sehenswürdigkeiten und Naturpanoramen des Nationalparks erleben möchte, sollte einen mehrtätigen Aufenthalt einplanen und am Abend in einem typisch skandinavischen Holzhaus einkehren. 

Kulinarische Reise durch den Nationalpark Thy

Ein besonderes Highlight auf der Wanderung durch den Thy ist das kulinarische Angebot, von dem Besucher hier nach Herzenslust kosten dürfen. Je nach Jahreszeit warten vor allem die Waldgebiete mit verschiedenen Beeren und Pilzen auf, die nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch zum Verzehr geeignet sind. 

Obwohl das gesamte Gebiet unter Naturschutz steht, ist es Wanderern erlaubt, sich für den eigenen Bedarf in der Speisekammer der Natur zu bedienen. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn längst nicht alle der hübsch anzusehenden Früchte der Natur sind essbar. Einige Beeren- und Pilzsorten sind giftig und können bereits bei geringem Verzehr ein gesundheitliches Risiko darstellen, vor allem für Kinder.

Wanderer sollten deshalb nur dort zugreifen, wo sie ein Gewächs genau kennen und einschätzen können, ob es sich um eine essbare und magenverträgliche Variante handelt. Praktische Helfer bei der Bestimmung von Beeren und Pilzen sind verschiedene Apps für das Smartphone. 

Als Android-Variante eignet sich zum Beispiel die App „Essbare Pflanzen“, die im Google PlayStore kostenpflichtig heruntergeladen werden kann. Für das iPhone wurde zum Beispiel die Anwendung „Pilze, Beeren und Früchte sammeln und bestimmen PRO“ entwickelt, die unter iTunes heruntergeladen werden kann.

Aber auch in vielen guten Wanderführern sind die wichtigsten lokalen Beeren, Früchte und Pilze aufgeführt. Wer seine Wanderwege gerne auch kulinarisch erkundet, sollte deshalb darauf achten, dass in der Wanderausrüstung ein ausführlicher Ratgeber zur einheimischen Pflanzenwelt nicht fehlt. Lässt sich ein Leckerbissen nicht eindeutig bestimmen, ist es besser, die Finger davon zu lassen oder ihn in einem gut verschlossenen Behälter mit nach Hause zu nehmen, um dort vor dem Verzehr den Rat eines Experten zu suchen. 

Besondere Sehenswürdigkeiten im Nationalpark Thy

Eine wunderschöne und ursprüngliche Natur ist längst nicht alles, was der Nationalpark Thy für Wanderer zu bieten hat. Die Wanderwege der Region sind von Sehenswürdigkeiten gesäumt. 
Das sind einige der beliebtesten Anlaufpunkte im Nationalpark Thy:

Die Kirche von Tved

Die romantische Kirche ist eine echte Sehenswürdigkeit mit historischem Flair. In ihrem Inneren können Besucher Kalkmalereien aus der Zeit um 1100 bis 1500 bewundern. Ursprünglich war die Kirche von üppigen Ackerflächen umgeben. Mit der anhaltenden Sandflucht waren die meisten Bauern allerdings gezwungen, ihre Höfe und die sie umgebenden Ackerflächen weiter in das Landesinnere zu verlegen, um sie vor dem Meer zu schützen. Die Kirche ist noch immer ein wahrer Besuchermagnet und sollte auf dem Wanderweg durch den Nationalpark durchaus eingeplant werden. 

Das Wildreservat Hanstholm 

Das in Hanstholm angesiedelte Wildreservat ist reich an natürlichen Seenlandschaften. Hier haben zahlreiche Wildvogelarten eine ideale Heimat gefunden und brüten hier jedes Jahr. Rund um die Seen erstrecken sich von Heidekraut bewachsene Dünen. Sie bieten den Brutvögeln ausreichenden Schutz. So können Besucher des Wildreservats hier mit etwas Glück über 30 verschiedene Vogelarten bewundern.

Heute ist der Nationalpark Thy ein internationales Vogelschutzgebiet. Die Nist- und Brutplätze stehen unter dem Schutz der Ramsar-Konvention. Auch die europäische Vogelschutzrichtlinie sowie die Fauna-Flora-Richtlinie der EU finden hier Anwendung. 

Weiterführende Informationen gibt es u.a. hier:

Thagards Plantage

Thagards Plantage liegt im Norden der üppigen Dünenwälder von Thy. Besucher können hier Überreste des ersten Dünenläuferhauses bewundern. Es stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und lässt Rückschlüsse darauf zu, wie die Dünenläufer in dieser Zeit lebten und arbeiteten. 

Wanderwege durch den Nationalpark Thy

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Nationalpark Thy zu erkunden. Ob zu Fuß, zu Pferd oder mit dem Fahrrad oder Mountainbike, die Region bietet für jeden Geschmack etwas. Besonders beliebt sind die vier großen Wanderwege durch den Nationalpark:

Der Wanderweg vom Kystvejen bis nach Bøgsted Rende im Dünenwald Tvorup

Durch den Wanderweg führen zwei verschieden Routen. Die Rote Route hat eine Länge von ungefähr 5 Kilometern, die Blaue Route umfasst knapp 2,5 Kilometer. 

Die Wanderung durch den Dünenwald Vilsbøl, zwischen dem Nors See und dem Vandet See

Die Rote Route, auch Route 14 genannt, hat eine Länge von rund 7 Kilometern. 

Die blaue Wanderroute von Lodbjerg Fyr zum Meer – über den Rettungsweg und die Dünenheide

Die Blaue Route, die über diesen Wanderweg führt, hat eine Länge von ungefähr 5 Kilometern und führt von einem historischen Leuchtturm bis zur Küste. 

Die Route über den Rettungsweg an der Westküste

Der Wanderweg endet auf der Halbinsel Agger Trange und wird über den ehemaligen Rettungsweg für Einsatzkräfte zur Rettung Schiffbrüchiger geführt. 

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