Blasenfrei in die Berge – So finden Sie den richtigen Schuh

Ob Touren durch den Taunus, die Eifel oder den Westerwald, wer Wandertouren über mehrere Tage einplant, sollte sein Schuhwerk vorher gründlich ausgewählt und vorbereitet haben. Wandern liegt zwar in der Natur des Menschen, doch bei schlecht sitzenden Schuhen oder falschen Bewegungen kann es vorkommen, dass der Träger Blasen bekommt oder Schmerzen in Beinen und Rücken erhält.

Das Deutsche Schuhinstitut und der Bundesverband der Deutschen Schuhindustrie brachten 2010 eine Studie mit über 5000 untersuchten Fußpaaren der Deutschen heraus. Über 60 Prozent der erwachsenen Personen leidet demnach an Fußproblemen, ohne genetische Vorbelastung und 82 Prozent tragen nicht passende Schuhe; ungefähr zwei Drittel besitzen dabei meist zu große Schuhe. Die Folgen können eine schlechte Durchblutung, eine Fehlstellung der Zehen und Kopf- oder Rückenschmerzen sein.

Zu große Schuhe sorgen vor allem beim Gehen dafür, dass der Fuß keinen sicheren Halt zum Abrollen erhält und nach vorne rutscht. Dies bedingt das Zusammenstauchen der Zehen, während gleichzeitig die Fersen aus dem Schuh heraus gleiten können und die Gelenke dadurch stärker belastet sind.

Wanderschuhe sorgen im Idealfall für einen festen Tritt, Sicherheit vor Verletzungen und unterstützen die natürlichen Fußbewegungen. Wenn Blasen auftreten, gab es zu lange eine dauerhafte Reibung oder Druck auf bestimmte Stellen, so dass der Körper vermehrt Wundflüssigkeit zum Schutz der Hautstelle produziert. Die Folgen sind schmerzhafte Blasen. Doch mit dem richtigen Schuh und der sorgsamen Pflege gehören Blasen der Vergangenheit an.

Im Laufe des Lebens werden die meisten Füße zwar nicht länger, doch dafür gehen viele Füße in die Breite. Deshalb ist vor dem Kauf eine Messung notwendig, die von der Ferse bis zum größten Zeh erfolgt. Die Fußweite ist am Fußballen zu ermitteln, am besten mit Hilfe eines Maßbandes. Es gibt aktuell vier unterschiedliche Weiten, von normal bis zu Überweiten, die bei der Auswahl des Schuhes helfen sollen. Schuhkäufer sollten außerdem auf die unterschiedlichen Maßangaben bei englischen und europäischen Schuhen achten. Für Stiefel ist darüber hinaus die Wadenweite ein wichtiges Merkmal.

Eine weitere Hilfestellung kann es sein, die eigenen Fußkonturen mit einem Stift auf Papier nachzuzeichnen und anschließend die Größe mit Lineal und Geodreieck nachzumessen. Bei vielen Menschen ist ein Fuß kleiner, als der andere, doch der größere ist ausschlaggebend für den Schuhkauf. Falls keine Schuhe mit Halbschritten vorliegen, sollte das nächstgrößere Modell ausgewählt werden. Doch die Messung kann in manchen Fällen trügen, denn je nach Tageszeit sind die Füße unterschiedlich breit. Schuhe, die Personen den ganzen Tag tragen wollen, sollten eher gegen Nachmittag anprobiert werden und Abendschuhe dementsprechend abends.

Für das Wandern gilt allerdings eine weitere Regel: Wenn keine Maßanfertigung vorliegt sollten Wanderer mindestens eine halbe bis eine ganze Schuhgröße größer kaufen, denn Wanderschuhe besitzen zusätzliche Eigenschaften und Stützfunktionen, die ein Straßenschuh in der Regel nicht benötigt.

Auswahl des richtigen Wanderschuhs

Wer beispielsweise in der Eifel wandern geht, hat es mit sehr unterschiedlichen Vegetationen zu tun, mit Mooren, Vulkanlandschaften, vielen Seen, trockenen und feuchtwarmen Regionen. Für derartige Situationen ist ein Schuh notwendig, der vielseitig und robust ist. Viele Wanderführer empfehlen „festes Schuhwerk“, doch damit fängt die Auswahl erst an. Zu den gängigsten Modellen gehören:

  • Multifunktionsschuh
  • Trekkingstiefel
  • Wanderstiefel
  • Zustiegschuh
  • Bergstiefel

Der Multifunktionsschuh besteht aus leichtem Material und ist meist als Halbschuh entworfen, der für einfache Wanderungen und Tagesausflüge ausreicht. Er ist im Idealfall mit einer wasserdichten Membran überzogen, die den Schuh atmen lässt, damit dieser zu jedem Wetter einsatzfähig bleibt.

Wanderfans sollten sich auf Stiefel konzentrieren, denn diese stabilisieren und sichern besonders in unwegsamen Terrain deutlich besser, als halbhohe Schuhe. In vielen Geschäften laufen viele halbhohe Multifunktionsschuhe unter dem Deckmantel „Treckingschuh“. Zustiegschuhe sind Halbschuhe, die für leichte Klettertouren ohne Nässe vorgesehen sind und für Felsen und Steige guten Halt bieten.

Doch diese beiden Modelle sind für längere Wandertouren nicht so optimal geeignet. Treckingstiefel passen zu Reisen mit schwererem Gepäck und einem Gelände, das nicht immer gut befestigt ist. Der hohe Schaft sorgt für guten Halt und die steife Sohle für den sicheren Tritt.

Wanderstiefel sind je nach Modell für längere Touren in der Wildnis gedacht und besitzen je nach Untergrund steife und dicke Sohlen, welche die Füße schonen und stützen. Durch das hohe Gewicht unterstützen die Stiefel das Tragen mittelschwerer Lasten, ohne die Knie und Gelenke zu sehr zu beanspruchen. Allerdings ist ein ausreichendes Training vor längeren Touren immer empfehlenswert. Bergstiefel und alpine Modelle sind ausschließlich für Bergwanderungen notwendig, da sie sehr tiefe Profile besitzen und steigeisenfest sind. Wanderer benötigen diese Variante in den meisten Gegenden jedoch nicht.

Schuhe einlaufen und Pflegen

Ist das richtige Modell gefunden, sollten die Käufer die Schuhe mit Wandersocken anprobieren und nach folgenden Kategorien auswählen:

  • Sitz der Ferse
  • Stabilisierung des Fußes in der Mitte
  • Platz für Zehen
  • Abrollverhalten
  • Sitz des Schafts
  • Schnürung

Um Blasenbildung vorzubeugen darf sich die Ferse nicht im Schuh bewegen, denn ansonsten scheuert sich die Haut auf und Schmerzen sind vorprogrammiert. Damit ein Umknicken nicht erfolgen kann, sollte der Schuh eine gute Fixierung in der Mitte vorweisen und trotzdem genügend Platz für die Zehen lassen. Viele Wanderschuhe besitzen Abrollhilfen unter dem Ballen, um den Druck zu nehmen und ein natürliches Gehverhalten zu ermöglichen. Sollte sich dort etwas komisch anfühlen, ist eine andere Größe zu wählen. Das Testlaufen sollte nicht nur wenige Minuten beanspruchen, sondern über Treppen und mit kleinen Sprints erfolgen und im besten Fall auf einer Teststrecke im Laden stattfinden. Einige Fachleute empfehlen, eine Stunde mit dem Schuh zur Probe zu laufen, um ein gutes Gefühl für den Sitz zu entwickeln. Das Einlaufen ist vor allem bei schwereren Schuhen notwendig und Wanderer sollten kleine Spaziergänge und kurze Strecken damit absolvieren, bevor längere Reisen auf dem Plan stehen. Das hilft einerseits dabei den Schuh weicher und geschmeidiger zu bekommen und trainiert anderseits die Muskeln für anspruchsvollere Aufgaben.

Bei Leder beschichteten Schuhen sollte eine Pflege regelmäßig stattfinden, um die Haltbarkeit zu gewährleisten. Der Wanderer nimmt das Fußbett zum Trocknen und Lüften heraus, entfernt gröberen Dreck mit Wasser und einer Bürste und lässt den Schuh mit Zeitungspapier ausgestopft an einem warmen Ort trocknen, jedoch nie an einer Heizung oder direkt in der Sonne. Das verhindert das Austrocknen des Leders. Imprägnierungen erfolgen am besten kurz vor dem Trocknen und das Wachs sollten Wanderfreunde mit einem Tuch oder der Hand einreiben und polieren.

Mit dem richtigen Schuh und der ausreichenden Vorbereitung sind Blasen für geübte Wanderer kein Problem mehr. Als Vorbeugung können Synthetiksocken helfen oder Vaseline und Talkumpuder. Ist trotzdem eine Blase entstanden, sollte der Betroffene diese 24 Stunden ruhen lassen, damit die natürliche Heilung eintreten kann. Ein Verband schützt vor weiteren Druckstellen. Weitere Tipps gibt es bei Ratgeberseiten wie z.B. der Apotheken-Umschau.