Beselich-Obertiefenbach

Obertiefenbach liegt am Westhang der Erhebung, der die heutige Großgemeinde Beselich ihren Namen verdankt: Dem Beselicher Kopf (296m). Auch wenn er nur über eine bescheidene absolute Höhe verfügt, ist der Beselicher Kopf ein beliebtes Wanderziel, genießt man doch von hier einen schönen Blick ins Kerkerbachtal, auf die Burg Merenberg, den Großen Feldberg im Taunus und das Limburger Becken.

Der Beselicher Kopf wird von allen Ortsteilen der Gemeinde durch Wanderwege angesteuert, weshalb man von hier auch gut eine kurze Tour starten kann. Ein kleiner Naturlehrpfad verbindet den Beselicher Kopf mit Niedertiefenbach.

Am Beselicher Kopf errichtete Gottfried von Beselich im 12. Jahrhundert eine Kirche und einen Landwirtschaftshof, aus dem heraus dann 1163 das Prämonstratenserinnen-Kloster Beselich gegründet wurde. Die ersten Schwestern wurden vom Kloster Altenberg an der Lahn entsandt. Im 13. und 14. Jahrhundert unterrichteten die Ordensschwestern höhere Töchter und betrieben so einer der ersten Mädchenschulen im weiteren Umkreis. Bis 1598 war das Kloster Beselich kultureller Mittelpunkt der umliegenden Ortschaften, dann starb die letzte Ordensschwester und um das Kloster Beselich wurde es still. 1632 stürzten große Teile des Klostergebäuders und der Pfeilerbasilika ein.

Über hundert Jahre später baute ein Franziskaner-Eremit mit Unterstützung der Dorfbevölkerung eine Kapelle mit Eremitage auf dem Gelände des früheren Klosters. Die Beselicher Maria Hilf Kapelle wurde 1767 den 14 Nothelfern zur Ehre geweiht und ist seitdem ein beliebter Wallfahrtsort. Zum Gebet ist die Kapelle ganzjährig geöffnet. Auf dem Weg von Obertiefenbach bis zur Wallfahrtskapelle stehen sieben kleine Kapellchen, um an die der sieben Schmerzen Marias zu erinnern.

Den historischen Ortskern von Obertiefenbach markiert die Pfarrkirche St. Ägidius am Kirchberg. Bereits um 1200 stand hier ein erstes Gotteshaus. 1733 wurde dann ein barocker Neubau errichtet, die bis 1886 Bestand hatte. Dann folgte der Bau der großen neugotischen Kirche, die 1888 eingeweiht worden ist. Mit dem noch teilweise romanischen Turm mit einer Höhe von 54m ist sie weithin sichtbares Wahrzeichen von Obertiefenbach. Vor der Kirche wurde 1999 der Dorfbunnen angelegt und eine Plastik zum Gedenken an Gottfried von Beselich aufgestellt.

In direkter Nachbarschaft der mächtigen St. Ägidius Kirche liegt das Gebäude der ehemaligen Volksschule. Sie wurde 1872-73 erbaut und verrichtete bis 1983 ihren Dienst. Hier ging auch der Ehrenbürger von Obertiefenbach, Georg „Schorsch“ Leber, zur Schule. Der sehr beliebte SPD-Politiker war u.a. Vorsitzender der IG Bau-Steine-Erde (1957-66), Bundesverkehrsminister (1966-72) und als Verteidigungsminister (1972-78) Nachfolger von Helmut Schmidt in diesem Amt.