Beitrag erstellt 26.03.2009 - 12:07 von tomtom
Der Hessische Westerwald ist der östliche Teil des Hohen Westerwalds, der sich vom Quellgebiet der Dill und dem Hickengrund im Norden bis zur Fürstenstadt Hadamar im Süden erstreckt. Östlich schließt das Dilltal den Hessischen Westerwald ab. Im Westen verläuft die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz in etwa mit der Führung der Bundesstraße 54.
Der Hessische Westerwald vereint die typische Mittelgebirgslandschaft des Hohen Westerwalds mit freundlichen Bachtälern, die in die Flüsse Lahn und Dill münden. Zu den touristischen Highlights zählen stolze Städte wie die ehemalige Oranier-Residenz Dillenburg, mittelalterliche Burgen wie der Greifenstein, waldreiche Täler z.B. entlang der Ulm und geologische Besonderheiten wie die Erdbachschwinde und das Dornburger Eis.
Der nördliche Rand des Hessischen Westerwalds wird durch das Quellgebiet der Dill geprägt, dem östlichen Begrenzungsfluss des Westerwalds. Die Dill entspringt auf der Haincher Höhe, einem Ausläufer des Rothaargebirges. Der Oberlauf bahnt sich seinen Weg ins Tal, bis in Haiger der Aubach und der Ketzerbach (Haigerbach) zufließen. Der Ketzerbach entspringt nördlich der Fuchskaute (657m) und wechselt auf seinem kurzen Weg durch den Hickengrund mehrmals seinen Namen: Ketzerbach, Winterbach, Wetterbach und schließlich Haigerbach. In Haiger selbst lohnt ein Besuch der reich mit Fresken ausgestalteten Stadtkirche aus dem Jahr 1048.
Der Siegerländer Hickengrund hat seinen Namen eigentlich von der heckenreichen Landschaft. Es gibt aber auch eine Sage, dass die Region nach Hans Hick benannt ist, der mit seinen Söhnen – den Hicken – den Riesen Wackebold mit Basaltbrocken erschlug. Der Riese starb der Legende nach am Großen Stein (546m), einem Basaltsäulenkegel aus zahlreichen geschichteten Blöcken, der heute Naturschutzgebiet ist. In der Nähe – südlich von Dresselndorf – findet sich das Wildweiberhäuschen, eine sehenswerte Felsgruppe mit mehr als 10m hohen Zacken und höhlenartigen Auswaschungen.
Östlich des Hickengrunds schließen sich die Täler der Bäche Aubach, Donsbach, Medenbach, Erdbach und Ambach an. Sie alle speisen die Dill auf ihrem Weg zwischen der Oranierstadt Dillenburg und Herborn, liebevoll auch „nassauisches Rothenburg“ genannt. Beide Orte sind sehenswert und historisch bedeutsam: Dillenburg als Geburtshaus des „Gründers von Holland“, Wilhelm von Oranien. Herborn als Sitz der Hohen Schule, einer universitätsähnlichen Akademie, an der u.a. Amos Comenius studierte.
Westlich von Herborn steigt der Westerwald an und erreicht mit dem Höllberg in der Gemeinde Driedorf die stattliche Höhe von 643m. Zwei Seen – Heisterberger Weiher und Krombachtalsperre – und zwei Burgruinen – die ehemalige Wasserburg Junkernschloss und die Oberburg Driedorf – liegen in Laufdistanz. Im Driedorfer Ortsteil Mademühlen wurde der Westerwald-Dichter Adolf Weiß geboren, der 1913 bei einem Preisausschreiben den Westerwaldgruß „Hui Wäller? Allemol!“ ersann.
Die Nachbargemeinde Breitscheid lädt zu einer geologischen Erkundung der besonderen Art: der Erdbachschwinde. Der Erdbach verschwindet unterhalb von Breitscheid in die Erde und durchläuft unterirdisch einen Höhenunterschied von 100m auf einer Länge von ca. 1,3km. Ein Lehrpfad mit 15 Stationen und das Museum Zeitsprünge vermitteln spannende Informationen.
Von Driedorf kommend speist der Ulmbach südlich von Herborn die Ulmtalsperre, ein kleines Naherholungsgebiet mit Camping, Bootsverleih und Angelmöglichkeit. Vom malerischen Ulmtal lassen sich nicht nur Wanderungen ins Gebiet um den Knoten (605m) unternehmen, der Klimascheide zwischen Hohem Westerwald und Hessischem Westerwald. Lohnenswert sind auch Ausflüge zur Burgruine Beilstein, dem Waldidyll Dianaburg, dem Outdoor Zentrum Lahn und natürlich der Burg Greifenstein mit ihren imposanten Doppeltürmen, der barocken Schlosskirche und dem Deutschen Glockenmuseum.
Ans Ulmtal schließen südwestlich die Täler des Kallenbach und des Faulbach an. Das Kallenbachtal ist eine waldreiche Landschaft, in dessen Herz der Greifensteiner Ortsteil Nenderoth liegt. In unmittelbarer Umgebung liegen die Sauerbornsmühle, eine tausendjährige Eiche und das nassauische Jagdschlösschen Hof Johannisburg. Im Faulbachtal lockt der Martkflecken Mengerskirchen mit dem Schloss aus dem 14. Jahrhundert und die im Ortsteil Winkels gelegene Maienburg (Burgruine Eigenberg).
Der alte Rittersitz Merenberg zeigt seine lange Tradition durch die gleichnamige Burgruine, die weithin sichtbar auf dem Gipfel eines Basaltkegels ruht. Wer die 107 Stufen des runden Bergfrieds erklimmt, dem bietet sich ein prächtiger Rundblick über das Vöhlerbachtal. Westlich schließt der alte Amtsbezirk Ellar an, ein vorgermanisches Siedlungsgebiet (La Tène Zeit, ca. 1.000 v.Chr.), das im Mittelalter in direkter Zuständigkeit des Kaisers stand und als Gerichtsort für die umliegenden Bezirke (Zente) zuständig war. Das Ortsbild wird von der mächtigen Burgruine und der Pfarrkirche St. Maximinus geprägt. Heute gehört Ellar zur Gemeinde Waldbrunn, zwischen deren Ortsteilen Fussingen und Lahr der Kerkerbach entspringt. Wo einst die Kerkerbachbahn rollte, lädt heute auf der Trasse ein ausgebauter Rad- und Wanderweg zur Entdeckungstour durch den südlichen Westerwald.
Die Dornburg ist eine Hochfläche (396m) bei Frickhofen, auf der sich eine keltische Ringwallanlage befindet. Einmalig im ganzen Westerwald ist das ewige Eis, eine bis zu acht Metern in den Boden reichende Eisschicht, die auch im Sommer nicht ganz abtaut. Östlich der Dornburg zieht sich das Elbbachtal mit der Burg Waldmannshausen, einer 1486 erbauten Wasserburg mit dem vorgelagerten, heute noch erhaltenen spätgotischen Schloss. Bei Hangenmeilingen erhebt sich das Heidenhäuschen (398m), ein sehenswerter Basaltgipfelzug.
Im Süden schließt die Fürstenstadt Hadamar den Hessischen Westerwald ab, daher trägt Hadamar auch den Beinamen „Tor zum Westerwald“. Traurige Berühmtheit erlangte die Stadt durch die Landesheil- und Pflegeanstalt auf dem Mönchberg, wo während des NS-Regimes rund 14.500 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen im Rahmen der so genannten Euthanasie getötet worden sind. Heute erinnert die Gedenkstätte Mönchberg an diese Verbrechen.
Zeitzeugen der langen Geschichte der Fürstenstadt – erste Funde entstammen einem etwa 5.000 Jahre alten Steingrab – sind das fürstliche Residenzschloss (1320) am Ufer des Elbbachs, in dessen Stallungen (Marstall) heute das Stadtmuseum untergebracht ist. Sehenswert ist die gotische Liebfrauenkirche, in der man zahlreiche Werke der „Hadamarer Schule“, einer Ende des 17. Jahrhundert gegründeten Kunstschule, bewundern kann. Und natürlich die Innenstadt mit ihren reich verzierten Fachwerkhäusern, insbesondere das Rathaus (1639) und das Duchscherer-Haus (1676).
Der Hessische Westerwald verläuft parallel zur A 45 (Sauerlandlinie von Dortmund bis Aschaffenburg, hier die Abfahrten von Haiger / Burbach im Norden bis Herborn-Süd). Fährt man in Haiger ab, wählt man entweder die B 54, die entlang des westlichen Rands bis Rennerod verläuft, oder die B 277, die östlich das Dilltal entlang führt.
Von Herborn-West aus führt die B 255 quer durch den Hessischen Westerwald. Von Wetzlar kommend grenzt die B 49 den Hessischen Westerwald im Süden ab. Aus dem Süden erreicht man den Hessischen Westerwald über die Abfahrt Limburg-Nord von der A 3 und dort weiter über die B 49 (Lange Meil) und B 54.
Naturräumlich umfasst der Hessische Westerwald die Untereinheiten Dilltal (Meynen-System 321) und die östlichen Teile des Oberwesterwalds (323). In der Einteilung der naturräumlichen Haupteinheiten des Bundesamts für Naturschutz (BfN) wird der Hessische Westerwald durch den Dillwesterwald (Kennzahl: 32304), das südoberwesterwälder Hügelland (32302), Teile des Limburger Beckens (30300) und des Dilltals (32100) gebildet.
