Biggesee

Landgasthof Rüppel
Landgasthof Rüppel

Im Herzen des Ebbegebirges erstreckt sich zwischen Olpe und Attendorn der Biggesee. Der Biggesee entstand, als im Jahr 1956 damit begonnen wurde, bei Attendorn eine Staumauer ins Tal der Bigge zu bauen. Bis 1965 sollte es dauern, bis das Mammutprojekt abgeschlossen war. Denn mit dem Bau der Staumauer allein war es nicht getan. Mehrere Ortschaften mussten der neuen Bigge-Talsperre weichen, und im Zuge dessen wurden rund 2.500 Menschen umgesiedelt. Ihre ehemaligen Häuser stehen heute auf dem Grund des Biggesees. Selbst Straßen und die Bahnstrecke mussten aufwändig verlegt werden, um dem Wasser Platz zu machen.

52m hoch und 640m breit ist der Hauptabsperrdamm des Biggesees. Der Biggesee fasst rund 150 Millionen Kubikmeter Wasser und gehört mit einer Fläche von 876ha bei Vollstau zu den größten Stauseen in Deutschland. Vom Volumen her betrachtet ist der Biggesee die zweitgrößte Talsperre in Nordrhein-Westfalen nach der Rurtalsperre bei Aachen. Auch von der Fläche her liegt der Biggesee in Nordrhein-Westfalen auf dem zweiten Platz: Hier liegt die Möhnetalsperre im Norden des Sauerlands vorne. Aber dafür ist der Biggesee der einzige See in Nordrhein.Westfalen mit einem eigenen Seebahnhof.

Planungen für einen Stausee existierten bereits in den 1930er Jahren. Die Industrie im Ruhrgebiet expandierte, und es gab immer wieder Wasserprobleme. Heute wird das Ruhrgebiet aus dem Biggesee mit Trinkwasser versorgt. Zudem dient die Talsperre dem Hochwasserschutz, indem von hier aus die Wasserstände im Flusssystem der Ruhr maßgeblich beeinflusst werden können. Ein Wasserkraftwerk wird ebenfalls am Stausee betrieben.

Der Biggesee ist aber nicht nur ein gewaltiges Trinkwasserreservoir. Der Biggesee ist zugleich neben der Atta-Höhle das touristische Hauptziel im südlichen Sauerland. Um den ganzen See herum gibt es zahlreiche Freizeiteinrichtungen, vom Campingplatz über Badestrände hin zu Segel- und Surfschulen. Besonders beliebt ist auch der Aussichtspunkt Biggeblick, der 2013 oberhalb von Biggedamm und Waldenburger Bucht eingerichtet wurde und einen herrlichen Blick über den Biggesee ermöglicht.

Wer keine Lust auf sportliche Aktivitäten hat, der kann sich von den Schiffen Personenschifffahrt Weiße Flotte über den See schippern lassen und die Aussichten von Deck aus genießen. Eine Rundfahrt über den Biggesee dauert rund zwei Stunden.

Im nördlichen Teil des Biggesees, ganz in der Nähe der Stadt Attendorn, liegt die Gilberginsel. Sie ist die Kuppe des Gilbergs (360m), der nach der Flutung des Biggesees nach wie vor aus dem Wasser ragt. Zusammen mit der Wasserfläche und der südlichen Uferregion des Biggesees bildet die Gilberginsel heute mit über 90ha Fläche das größte Naturschutzgebiet im Raum Attendorn.

Noch ist die Gilberginsel mit viel Fichtenwald bedeckt, langfristig ist aber angestrebt, die Fichten durch einen gesunden Laubmischwald zu ersetzen. Der Beiname der Insel lautet Vogelinsel. Wegen der geschützten Lage nutzen viele Wildvögel die Insel als Brutplatz. So zum Beispiel eine ganze Kolonie Graureiher.

Das älteste nicht-sakrale Baudenkmal im Kreis Olpe ist die Burgruine Waldenburg, gelegen in der Waldenburger Bucht am Nordende des Biggesees. Heute ist nur noch der Stumpf eines Turmes sichtbar. Ursprünglich gehörte die aus dem 13. Jahrhundert stammende Burg den Grafen von Ravensburg. Im 18. Jahrhundert verfiel sie.

Zu den wenigen Gebäuden, die vor der Flutung gerettet und an anderer Stelle wieder aufgebaut wurden, gehört die Waldenburger Kapelle ganz in der Nähe der Ruine. Schon für das 11. Jahrhundert ist eine Kapelle im Zusammenhang mit der Burg bekannt. 1712 entstand separat eine achteckige Kapelle als Marienwallfahrtsstätte. Woher das 30cm hohe Gnadenbild stammt, ist nicht überliefert. Sehenswert ist vor allem zur Adventszeit die Krippe, die in der Kapelle aufgebaut wird, und die auch von außen zu sehen ist, wenn die Kapelle geschlossen ist. Rund siebzig Figuren verteilen sich dabei auf 30qm Fläche.

IVW
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