Ausflug in den Westerwald

Beitrag erstellt 26.03.2009 - 11:59 von tomtom

Auf der Fuchskaute dem höchsten Berg im WesterwaldDenkt man an den Westerwald, verbindet sich meist die Vorstellung einer markanten, rauen Mittelgebirgslandschaft. Um diesen Eindruck zu erleben, steuert man den Hohen Westerwald bei Bad Marienberg und Westerburg an.

Ein Besuch der heimlichen Hauptstadt des Westerwalds, dem malerischen Hachenburg, lässt sich dabei gut verbinden. Die weichere Seite der Westerwaldregion entdeckt man am besten von der Westerwälder Seenplatte in Richtung Süden hin zum Lahntal bzw. westlich zum Rhein durchs Kannenbäckerland.

Hachenburg war bereits in der Karolinger-Zeit ein Drehkreuz für die Routen Köln-Leipzig und der „Eisenstraße“ Siegen-Frankfurt. Das ab 1717 auf den Ruinen der mittelalterlichen Burg errichtete Schloss thront heute als Krone der Stadt über Hachenburg und wird von der Altstadt mit ihrem denkmalgeschützten Alten Markt eingesäumt. Ein Besuch im Landschaftsmuseum Westerwald bietet sich an. Dort dokumentierten Westerwälder Häuser verschiedener Epochen als Freilichtmuseum die Wohn- und Lebenskultur der Region.

Basaltformation im Basaltpark bei Bad Marienberg im Hohen WesterwaldEin Tagesausflug nach Bad Marienberg führt einen meist auch in den Basaltpark. Der rekultivierte Steinbruch dient als Dokumentationsstätte des Westerwälder Basaltabbaus und liefert interessante Einblicke in die geologischen Vorgänge rund um die vulkanische Entstehung des Basalts. Für Familien lohnt sich ein Abstecher in den 20ha großen Wildpark Bad Marienberg auf der Zinhainer Höhe. Ein kurzer Marsch führt zum Großen Wolfstein, einer keltischen Opferstätte, die erstmals 1048 als „Drutgerestein“ erwähnt worden ist.

In der Holzbachschlucht bei Gemünden / Westerburg im hohen WesterwaldDas benachbarte Westerburg bietet mit dem Schloss Westerburg und der Schlosskirche eine mittelalterliche Kulisse für Ausflüge in den Hohen Westerwald. Östlich der Stadt in Richtung Gemünden liegt die Holzbachschlucht. Der Holzbach, ein Nebenbach des Elbbachs, hat hier auf einer Länge von einem Kilometer den Basalt durchbrochen und ein wildromantisches Tal mit steilen Felswänden und mächtigen Felsbrocken geschaffen. Die Schlucht ist bereits seit 1929 Naturschutzgebiet. Einen schönen Blick über Westerburg und Umgebung hat man vom Katzenstein, einem ca. 30m breiten und 15m hohen Naturbasaltblock, der als Mahnmal der Heimatvertriebenen dient.

Das Kannenbäckerland wie hier in Mogendorf wirbt mit den in vielen Betrieben hergestellten salzglasierten SteinkrügenWas im Hohen Westerwald der Basalt, ist im Kannenbäckerland der Ton. Höhr-Grenzhausen ist das Zentrum der keramischen Industrie im Westerwald. Hier lohnt ein Besuch des Keramikmuseums Westerwald. Auf ca. 2.000qm Ausstellungsfläche werden Stücke aus fünf Jahrhunderten gezeigt. Schwerpunkt der Sammlung ist das typische salzglasierte Steinzeug. Aber auch die Burg Grenzau am nördlichen Stadtrand ist einen Ausflug wert. Burg Grenzau ist die einzige Burg Deutschlands, die einen dreieckigen Bergfried besitzt.

Ganz im Westen des Westerwalds, direkt am Rhein, liegt Bad Hönningen, ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in den Naturpark Rhein-Westerwald, speziell ins Wiedtal, das sich nordöstlich über Neustadt und die Lahrer Herrlichkeit bis zur Westerwälder Seenplatte schlängelt. In Bad Hönningen selbst lohnt ein Besuch des Erlebnismuseums RömerWelt. Auf 200qm erfährt man Wissenswertes über den Verlauf des römischen Grenzwall Limes und das Leben der Auxilliarsoldaten. Nach der Kultur lockt die Schmiedgasse mit gemütlichen Gaststätten und Kneipen.

Das Schloss Sayn in Bendorf-Sayn behebergt heute unter anderem das Rheinische Eisenkunstguss-Museum und die Tourist-InformationHoch über Bendorf am Rhein liegt die 800 Jahre alte Burg Sayn, das Stammhaus der Grafen von Sayn-Wittgenstein. Von der auch Eselburg genannten Anlage hat man einen guten Rundblick: von den Höhen des Westerwaldes über die Rheinebene bis zu den Vulkanbergen der Eifel.

Versteckt im Wald in der Gemarkung des Dorfes Eitelborn liegt die Sporkenburg, etwa 4km nördlich von Bad Ems. Die Ruine, auf die der Besucher heute trifft, stammt aus dem Jahre 1310, als die Sporkenburg nach ihrer Zerstörung wiederaufgebaut worden ist. Auffallend sind ihre zahlreichen Elemente aus dem französischen Burgenbau. So existiert beispielsweise kein Bergfried. Er wurde durch eine Schildmauer ersetzt, die nach innen turmartig ausgebaut ist und so ausreichend für Schutz sorgte. Rund um die Sporkenburg lassen sich schöne Waldspaziergänge unternehmen.
 
Die Zisterzienser-Abtei Kloster Marienstatt in der Kroppacher Schweiz ist malerisch direkt an der Großen Nister gelegenDas Zisterzienserkloster Abtei Marienstatt liegt direkt an der Nister, ca. 4km nordwestlich von Hachenburg. Die Abtei wurde bereits 1212 gegründet und steht in direkter Nachfolge des Ursprungskloster der Zisterzienser, der burgundischen Abtei Cîteaux. Die Abteikirche Marienstatt gilt als erste gotische Kirche östlich des Rheins. Das um 1290 geschaffene Chorgestühl ist eines der ältesten heute noch genutzten Chorstühle Deutschlands. Besonders sticht der Hochaltar der Basilika mit dem Ursulaschrein hervor. Zur Rast lädt das 2004 eröffnete Brauhaus ein, indem es Selbstgebrautes und bodenständige Küche gibt.

Kurz vor der Mündung des Mehrbaches in die Wied steht das anmutige Kloster Ehrenstein. Der Name stammt von der gleichnamigen Burg, die im 30jährigen Krieg von den Schweden zerstört wurde und erst seit wenigen Jahren vom Bewuchs befreit worden ist. Die gewaltigen Mauerreste legen Zeugnis von der einstigen Pracht der Anlage ab.

Burg Greifenstein im hessischen WesterwaldAm östlichen Rand des Westerwalds ragt die Höhenburg Greifenstein übers Dilltal. Der Rundgang über das Burggelände führt zu einem Gefängnis mit Folterwerkzeugen, Waffen- und Weinkeller, Wohnkammern und über eine Wendeltreppe in den Bergfried (Doppelturm). Wanderwege rund um die Burg Greifenstein sowie ein Kräuterlehrgarten machen die Anlage zu einem beliebten Ausflugsziel. Die Burg Greifenstein beherbergt seit 1984 im Bollwerk (Geschützturm) „Rossmühle“ das Deutsche Glockenmuseum. Besucher können über 50 Glocken besichtigen und auch selbst ausprobieren.

Im Besucherbergwerk Grube Bindweide in Steinebach an der Sieg fährt heute noch die GrubenbahnDie Grube Bindweide ist ein atemberaubendes altes Bergwerk zwischen Betzdorf und Hachenburg. 13km Stollen hat man hier in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in den Boden des Westerwaldes getrieben, um Erz zu fördern. Heute steht die Grube Bindweide Besuchern offen. Mit dem Bergmannsgruß „Glück auf“ beginnt die rund 90minütige Führung durch das Bergwerk bei konstanten 10-12 Grad Celsius. Höhepunkt ist eine Fahrt mit der Grubenbahn zurück ans Tageslicht.

Etwas nördlich von Westerburg liegt der Erlebnispark Stöffel. Der Park ist entstanden in dem mit rund 140 Hektar größten zusammenhängenden Basaltabbaugebiet im Westerwald. Auf dem Gelände befindet sich ein in seiner Vollständigkeit einzigartiges Ensemble von historischen Industriebauten der Basaltverarbeitung und eine bedeutsame Fossillagerstätte aus dem späten Paläogen („Tertiär“). In den Sedimentablagerungen eines durch einen Vulkanausbruch verschütteten Sees, die zu Ölschiefer geworden sind, wurden seit 1990 zahlreiche Fossilien entdeckt. Der bekannteste Fund ist die gleitfliegende „Stöffelmaus“ (Eomys quercyi). Weitere Funde sind u. a. Krokodilzähne, Insekten und Amphibien - Frösche, Kaulquappen und Salamander - Säugetiere und Pflanzen.

Am Wiesensee im Westerburger Land hoher WesterwaldDer 80ha große Wiesensee liegt in der waldreichen Höhenlandschaft des Westerburger Landes. Der See bietet seinen Besuchern im Sommer zahlreiche Wassersportmöglichkeiten: Schwimmen, Surfen, Segeln und Angeln. In Pottum gibt es einen großen Segelboothafen, wo man mit dem eigenen Schiff anlegen oder eine Segelrundfahrt buchen kann. Eine Surf- und Segelschule vor Ort bietet Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. Freunde des Golfsports finden auf einer gepflegten 18-Loch Golfanlage ideale Bedingungen vor. Auch im Winter bieten der See und seine Umgebung einige Freizeitangebote wie Schlittschuhlaufen oder Ski fahren in gespurten Loipen rund um den See.

Der Postweiher bei Dreifelden ist der einzige ausgewiesene Badesee der Westerwälder Seenplatte im Oberen Westerwald Die Westerwälder Seenplatte breitet sich als wellige Hochfläche zwischen den Bergköpfen des Hachenburger Waldes im Norden bis zum Tal der Sayn im Süden aus. Schon Graf Friedrich III. zu Wied (1618 -1698) wusste um den Erholungswert seiner wild-romantischen Besitztümer. Mit gekonntem Federstrich entwarf er eine reizvolle Kulturlandschaft, die zu großen Teilen heute Naturschutzgebiet sind. Hier finden sich zahlreiche Wat- und Sumpfvögel, welche das Gebiet zur Rast auf dem Vogelzug und oft auch zur Brut nutzen. Als besondere touristische Attraktion gilt der 32km lange Sieben-Weiher-Weg, der das Erwandern aller sieben Seen ermöglicht.

Krombachtalsperre bei Driedorf im Hessischen WesterwaldEin Geheimtipp für die Erkundung der typischen Westerwald-Gebirgslandschaft ist der Heisterberger Weiher am Fuße des Höllbergs (643m) und in unmittelbarer Nähe der Fuchskaute, mit 657m dem höchsten Gipfel des Westerwalds. Der Weiher selbst bietet wie die benachbarte Krombachtalsperre Wassersport, Liegewiesen und Bademöglichkeiten. Auch als Startpunkt für Wanderungen sind beide Seen geeignet, da sie neben Parkmöglichkeiten auch jeweils einen Campingplatz mit sanitären und gastronomischen Einrichtungen vorhalten. Im Winter stehen gespurte Loipen sowie Skilifte zur Verfügung.

Das Gelbachtal schlängelt sich von Montabaur bis nach Obernhof durch den Lahn-WesterwaldDen wild-romantischen Westerwald erlebt man am besten bei einem Marsch (oder einer Fahrt) durchs Gelbachtal. 19km schlängelt sich der Gelbach von Montabaur hinab ins Lahntal. An der Strecke finden sich Reiterhöfe, Weinberge (in Obernhof und Weinähr) und der Wildpark Gackenbach im Buchfinkenland.

Wer im Westerwald unterwegs ist, sollte sich auf eine einfache Küche einstellen. Neben dem üblichen „Rasthaus-Einerlei“ wie Schnitzel, Braten und Nudelgerichte, ist die „Wäller“ Küche durch die schlechten Landwirtschaftsbedingungen vergangener Jahrhundert charakterisiert.  Zu den einheimischen Gerichten gehören z. B. das „Pfännchen“. Hierbei handelt es sich um gebackene Eier mit Speck, Blut- und Leberwurst. Ebenfalls ist der „Dippekuchen“ aus geriebenen Kartoffeln mit gewürfeltem Schinken und Eiern ein traditionelles Gericht, dem zur Seite etwas „Äppelmok“ (Apfelmus) gereicht wird.

Eine echte regionale Spezialität ist der „Ajerkäse“ (Westerwälder Eierkäse), eine Süßspeise aus gestockten Eiern mit Milch und Zucker. Ebenfalls beliebt - und anderswo schlicht als „Hackbraten“ bezeichnet – ist der „Hachenburger Ischl“ oder Igelbratenb: gebratenes Hackfleisch mit Röstzwiebeln, zu dem ein schwarzes Hachenburger Bier gereicht wird. Und wo’s gerade ums Trinken geht: Was auch immer auf den Tisch kommt, typisch wird es nur mit einem Westerwälder Schnaps (je nach Stimmung Kümmel oder Kornbrand).

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